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Lexikon

Vielfalt in der Landwirtschaft?

Feldarbeit früher und heute

Die Landwirtschaft hat sich in den letzten 60 Jahren ganz schön verändert. Das kannst du sehen, wenn du dir die beiden Fotos unten anschaust, denn so viele Jahre liegen zwichen den Aufnahmen. Auf dem linken Bild siehst du, wie es auf dem Land aussah, als deine Großeltern noch Kinder waren. Die Felder auf dem rechten Bild wurden im Jahr 2012 von einem modernen Mähdrescher abgeerntet. Achte auf die Größe der Felder und darauf, was dort wächst: Welche Unterschiede erkennst du?


Feldarbeit mit Pferden und vielen helfenden Händen. (Foto: Agrarmuseum Wandlitz)
Pferdefuhrwerk bei der Feldarbeit.
Felder, die mit dem Mähdrescher abgeerntet wurden.(Foto: Daniel Plazanet cc-by-sa 2.5)
Abgeerntete Felder mit Strohballen.

Wie hat sich die Landwirtschaft verändert?

Große Mähdrescher brauchen viel Platz. (Foto: Uwe Steinbrich / pixelio.de)
Mähdrescher auf einem Getreidefeld.
Zwischen den Feldern fehlen Hecken oder kleine Waldstreifen. (Foto: B. Monigoux cc-by-sa @ www.landschaft-foto.de)
Großes abgeerntetes Feld.
Hier findet niemand einen Unterschlupf. (Foto: Gert Berger)
Riesiges junges Maisfeld.

Größere Maschinen - Größere Felder

Früher haben viele Menschen bei der Feldarbeit geholfen. Heute kann ein einzelner Landwirt die Arbeit mit wenigen großen Maschinen erledigen: Mit dem Mähdrescher zum Beispiel mäht er das Getreide, trennt die Getreidekörner von den Halmen und verlädt das Korn auf einen Anhänger.

Doch große Maschinen brauchen auch viel Platz. Deshalb sind die Felder im Laufe der Jahre immer größer geworden - Hecken und kleine Wäldchen sind verschwunden.

Keine Brachen - Weniger Pflanzensorten

Früher haben die Landwirte immer einen Teil ihrer Felder nicht genutzt. Solche Flächen nennt man "Brachen". Auf diesen Brachen wuchsen Wildkräuter und Gräser, die  Insekten anlockten und vielen Vögeln und anderen Wildtieren Nahrung und Lebensraum boten. Heute versuchen die meisten Landwirte, alle ihre Flächen zu bestellen, um möglichst viel zu produzieren - häufig auch über Jahre hinweg mit denselben Pflanzen. Hierbei bleibt kein Platz für wilde Pflanzen und Tiere und auch der Boden verliert seine natürlichen Nährstoffe.

Weniger "Unkraut" - Weniger Insekten

Mittel zur Unkrautvernichtung und gegen alle Arten von Insekten gehören in der Landwirtschaft häufig dazu. Früher musste jedes Unkraut mit der Hand gezupft werden - kein Wunder, dass da das eine oder andere Kraut stehen geblieben ist. So waren früher auf den Äckern auch mehr Insekten unterwegs - schließlich gab es zwischen den Getreidehalmen genügend Wildkräuter und Blumen. Das ist heute nicht mehr so - und zusammen mit den Wildkräutern verschwinden auch die Insekten.

Welche Tierarten sind besonders betroffen?

(Foto: Daniel Pettersson cc-by 2.5)
Wiesenweihe bei der Jagd.
Wiesenweihe und Feldlerche sind in Gefahr, weil sie auf den Feldern nicht mehr genug Nahrung finden. (Foto: Donald Macauley cc-by 2.0)
Feldlerche mit Raupe im Schnabel.

Welche Tierarten sind besonders betroffen?

Erwischt: Ein Igel in einer Buchenhecke. (Foto: Woopi / pixelio.de)
Igel in Buchenhecke.
Feldhase. (Foto: Grey 59 / pixelio.de)
Feldhase, Portrait.

Feldvögel

Weil immer weniger Hecken und Wäldchen zwischen den Äckern wachsen, finden die Vögel weniger Unterschlupf und Plätze zum Brüten. Auch Wiesen werden viel häufiger gemäht als früher und bestimmte Getreidearten können schon im Spät-Frühling geerntet werden - genau zur Brutzeit einiger Feldvögel. Durch den Einsatz von Schädlingsbekämpfungs- und Pflanzenschutzmitteln finden die Vögel auf den Feldern immer weniger Nahrung.

Rehe, Feldhasen, Igel und Marder

Für junge Rehe und Hasen können die großen Landmaschinen, mit denen die Äcker bearbeitet werden, sehr gefährlich werden. Außerdem fehlt ihnen auf den großen Ackerflächen Unterschlupf und Versteck. Hecken und Waldflächen am Rande der Äcker sind für Säugetiere wie Igel, Marder, Hasen und Rehe nämlich sehr wichtig. Von dort aus können sie den Acker erst einmal beobachten, bevor wie sich aus der Deckung wagen. Auch die Kinderstuben vieler Wildtiere befinden sich in Hecken und kleinen Wäldchen am Rande bewirtschafteter Äcker. Wo jedoch keine höheren Pflanzen wachsen, finden die Tiere keinen Lebensraum.

Insekten

Insekten werden in der modernen Landwirtschaft gezielt bekämpft, denn einige von ihnen gelten unter Landwirten als Schädlinge. Darunter leiden aber auch Insekten, die für uns Menschen sehr nützlich sind - wie zum Beispiel die Honigbienen. Hinzu kommt, dass dann auch diejenigen Tiere, die auf Insekten als Nahrung angewiesen sind, nichts mehr zu Fressen finden - wie zum Beispiel viele Feldvögel.

Wie kann die Landwirtschaft Pflanzen und Tiere erhalten?

Typischer Heckenbewohner: Der Neuntöter. (Foto: Artur Mikolajewski cc-by 3.0)
Neuntöter auf einem Ast.
Kleine Hecken und Wäldchen zwischen den Feldern bieten Tieren Unterschlupf. (Foto: Holger Pfeffer)
Felder mit Wäldchen.
Wo Wildblumen wachsen dürfen, können auch Wildtiere leben. (Foto: Franz Mairinger / pixelio.de)
Wildblumen im Kornfeld.

Brachland

Wenn der Landwirt ein Feld über einen längeren Zeitraum nicht bestellt, dann nennt man das "Brachland". Auf Brachland wachsen verschiedene Wildpflanzen. Sie sind ein wichtiger Lebensraum für unzählige Insekten, die wiederum viele Wildtiere ernähren. Landwirte, die regelmäßig einen Teil ihrer Felder unbewirtschaftet lassen, helfen damit auch der Natur.

Blütenreiche Wiesen und Weiden

Blütenreiche Wiesen und Weiden findet man nur, wenn der Landwirt diese nicht zu häufig mäht oder mit Mist düngt. Denn nur auf wenig bearbeiteten Flächen bleiben genügend verschiedene Wildkräuter stehen. Auf solchen artenreichen Wiesen gibt es viele Insekten - wie zum Beispiel die Wildbienen. Von den Insekten wiederum ernähren sich die Vögel.

Hecken und Feldgehölze

Weitläufige Felder ohne Unterschlupf sind ein Graus für jedes Wildtier. Hecken und kleine Wäldchen am Feldrand dagegen bieten Nahrung und Unterschlupf. Felder, die von solchen kleinen Rückzugsgebieten unterbrochen werden, sind deshalb auch Lebensraum für Wildtiere. Füchse und Marder gehen von hier aus auf die Jagd, Feldvögel brüten hier und Igel suchen sich einen Unterschlupf.

Pflanzenvielfalt

Felder, auf denen immer nur Mais, Raps oder Weizen wächst,  bieten nur ganz bestimmten Wildtieren Nahrung. Wenn die Pflanzen jedoch wechseln, dann haben auch mehr Tierarten etwas davon. So lockt ein Feld, das mit Klee bestellt ist, viele Insekten an und macht damit auch Insektenfresser wie die Feldlerche oder die Großtrappe satt. 

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Was macht eigentlich ein Biobauer?

Konstantin mit Fragezeichen

Von 100 Landwirten in Deutschland sind zur Zeit ungefähr sechs Landwirte Biobauern. Sie betreiben "ökologische Landwirtschaft". Was bedeutet das und was unterscheidet die Biobauern von anderen Landwirten?

In der "ökologischen Landwirtschaft" sollen Naturschutz und Landwirtschaft miteinander im Einklang stehen. Dazu muss ein Biobauer bestimmte Regeln einhalten und vieles anders machen als ein "normaler" Landwirt:

+ Biobauern nutzen keine chemischen Mittel zur Bekämpfung von Unkraut oder Insekten, sondern versuchen mit natürlichen Mitteln, lästige Krabbelviecher und Wildkräuter los zu werden. Das bedeutet allerdings auch mehr Arbeit. Deshalb muss auf einem Biohof oft die ganze Familie mit anpacken.

+ Biobauern pflanzen robustere Pflanzensorten an, weil diese weniger Düngung brauchen und von Kleintieren wie Schnecken oder bestimmten Insekten nicht so stark geschädigt werden.

+ Biobauern bauen auf ihren Äckern verschiedene Pflanzen in Folge an. Auf Weizen folgt zum Beispiel im nächsten Jahr Buchweizen oder Klee. So schonen die Biobauern den Boden und können auf künstlichen Dünger verzichten.

+ Die Tiere auf dem Biohof müssen so gehalten werden, dass sie ausreichend Platz und Auslauf haben. Sie dürfen nur Futter bekommen, das auf dem Hof angebaut wurde. Der Mist aus den Ställen dient wiederum als Dünger für die Äcker. So entsteht auf dem Biohof im Idealfall ein geschlossener Kreislauf.

So geht es den Wildtieren auf unseren Feldern

Hamster Konstantin als Detektiv.

Über Jahrhunderte hat die Landwirtschaft in Deutschland die Landschaft geprägt. Auch viele Wildtiere haben sich angepasst und leben heute direkt oder indirekt von der Landwirtschaft. Die Einen fressen die Feldfrüchte oder suchen zwischen den angebauten Pflanzen Unterschlupf - andere finden ihre Beute auf den Feldern. Lies hier mehr über einige Tierarten, die von den Veränderungen in der Landwirtschaft besonders betroffen sind.

Mehr über die Großtrappe.

Mehr über den Feldhamster.

Feldvögel in Gefahr.