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Lexikon

Artenschutz: Kleine Tiere mit großer Wirkung


Ein schönes Zauneidechsen-Männchen. (Foto: Valerius Geng / gemeinfrei)
Buntes Zauneidechsen-Männchen
Im warmen Schotter neben den Gleisen fühlen sich Zauneidechsen wohl. (Foto: Aranha / gemeinfrei)
Schotter neben Bahngleisen mit Blume
Bevor die Bagger arbeiten dürfen, muss der Artenschutz geprüft werden. (Foto: btr cc-by-sa 3.0)
Bagger auf Feld.

Freiwillige Helfer durchstreifen eine Landschaft in dem Bundesland Nordrhein-Westfalen. Sie wollen Zauneidechsen einfangen. Die Tiere sollen nämlich umziehen, denn dort, wo sie wohnen, wird demnächst gebaut. Eine alte Bahnstrecke soll erneuert werden. Aber im Schotter der Bahndämme haben die Zauneidechsen ein ideales Zuhause gefunden. Bevor die Bagger den Schotter ausheben dürfen, müssen die Tiere deshalb erst eingesammelt werden. Dann kann der Bau beginnen.

Kleine Echsen - große Wirkung

Jeder, der in Deutschland in der freien Landschaft etwas bauen will, ist dazu verpflichtet, das Gelände vorher näher unter die Lupe zu nehmen. Er muss prüfen, ob es dort besonders streng geschützte Tier- oder Pflanzenarten gibt. Die Tiere und Pflanzen, auf die er achten muss, stehen in einer Liste. Diese Liste ist Teil einer Richtlinie der Europäischen Union und in ganz Europa gültig. Sie soll dafür sorgen, dass die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten in Europa erhalten bleibt - auch, wenn neue Häuser, Straßen oder Bahnlinien gebaut werden.

Was passiert, wenn geschützte Tiere gefunden werden?

Laubfrösche sind streng geschützt,... (Foto: Hedwig Storch cc-by-sa 3.0)
Ein Laubfrosch auf einem Eichenblatt.
... genau so wie die Wechselkröte. (Foto: Christian Fischer cc-by-sa 3.0)
Wechselkröte von vorne.

Wenn der Bauherr bei seiner "Artenschutzprüfung" wirklich auf eine Tierart stößt, die geschützt ist, dann darf er solange nicht bauen, bis er eine Lösung für die Tiere gefunden hat. Er kann sie zum Beispiel umziehen lassen, aber dazu muss er erst einmal neuen Lebensraum finden oder selbst schaffen.

Wenn ein geeigneter Platz gefunden ist, werden die Tiere eingefangen und in ihrem neuen Zuhause wieder ausgesetzt. Manchmal kann das ziemlich lange dauern, denn so ein Umzug kann nicht zu jeder Jahreszeit stattfinden und kann je nach Tierart auch aufwändig und teuer sein. Trotzdem ist er notwendig, damit diese Tiere in Europa nicht aussterben.

Noch mehr starke Tiere

Molche, wie dieser streng geschützte Kammmolch, wandern im Frühjahr zu ihren Laichgebieten. (Foto: Rainer Theurer / gemeinfrei)
Kammmolch-Männchen im Wasser.
Durch solche Tunnel können Kröten und andere Amphibien unter der Straße hindurch zum nächsten Gewässer. Die Bleche an der Seite leiten die Tiere zum Eingang. (Foto: Christian Fischer cc-by-sa 3.0)
Krötentunnel.
Auf Grünbrücken können Tiere Straßen überqueren. (Foto: gemeinfrei)
Grünbrücke
Alle Fledermausarten stehen unter Schutz. Hier siehst du ein Großes Mausohr im Flug. (Foto: C. Robillier, www.naturlichter.de cc-by-sa 3.0)
Großes Mausohr bei Nacht im Flug
Wo geht's denn hier zum Bahndamm? (Foto: Friedrich Böhringer cc-by-sa 3.0)
Zauneidechsen-Männchen auf Schottersteinen

Aber es gibt auch Tierarten, die überhaupt nicht gern umziehen. Wenn es in dem geplanten Baugebiet solche Arten gibt, dann muss der Bauherr anders planen. Es gibt viele Beispiele dafür, wie sogar bei großen Bauwerken auf die Tiere Rücksicht genommen werden kann:

Ein Tunnel für Molche und Kröten

Kröten, Frösche und Molche wandern im Frühjahr zum Wasser, um sich zu paaren und ihre Eier abzulegen. Manche Arten, wie zum Beispiel die Erdkröte, legen dabei lange Strecken zurück. Wenn neue Straßen durch solche Wandergebiete führen sollen, dann werden für die Tiere extra Tunnel eingeplant, die unter der neuen Straße hindurchführen. So können alle Amphibien die Straße gefahrlos überwinden. 

Brücken nur für Tiere

Sind dir bei einer Autobahnfahrt schon mal diese merkwürdigen Brücken aufgefallen, über die kein Weg führt, keine Straße und auch keine Eisenbahn? Statt dessen sind sie dicht mit Gebüsch und jungen Bäumen bewachsen. Menschen haben auf diesen Brücken nichts zu suchen, denn sie sind nur für die Tiere da. Man nennt solche Brücken "Grünbrücken". Auf ihnen können Tiere gefährliche Straßen überqueren - zum Beispiel vom einen Teil des Waldes in einen anderen.

Ein neues Zuhause für Fledermäuse

Fledermäuse haben es schwer: Wenn alte Gebäude abgerissen oder erneuert  werden, dann werden die Tiere meist obdachlos. Denn in löchrigem Gemäuer und alten Dachstühlen finden sich viele Schlupfwinkel, nicht aber in modernen Glas- und Betonfassaden. Doch das muss nicht so sein. Mit speziellen Dachziegeln und künstlichen Nistkästen kann man auch an neuen Gebäuden genügend Quartiere für Fledermäuse und andere Höhlentiere schaffen. Als zum Beispiel in Berlin die alten Häuser eines ganzen Wohnblocks erneuert werden sollten, haben Tierschützer die Hausbesitzer überredet, künstliche Nist- und Überwinterungshilfen aufzuhängen. Und das Ergebnis: In dem Viertel leben jetzt mehr Tiere als vorher!

Und die Zauneidechsen?

Die Echsen aus Nordrhein-Westfalen wohnen vorübergehend in einem alten Steinbruch. Das Gelände ist eingezäunt, denn wenn die neuen Gleise fertig sind, dann werden die Tiere wieder eingefangen und zurück zu ihrem Bahndamm gebracht.

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Artenschutzquiz

Alpenbock. (Foto: Siga cc-by-sa 3.0)
Alpenbock kurz vor dem Ausflug.

Teste dein Wissen über den Artenschutz!

Hier gleich mitraten.

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Hier erfährst du mehr über die gefährliche Wanderung der Kröten:

Zur Krötenwanderung

Ein Laubfroschkonzert kannst du hier hören:

Zu den Laubfröschen

Und hier gibt es viele Infos über Fledermäuse:

Geheimnisvolle Fledermäuse

Mehr über Tiere, die in Europa streng geschützt sind, erfährst du hier:

Zum Apollofalter.

Zum Biber.

Zum Alpensalamander.

Zur Zauneidechse.

Europaweit geschützt

In Europa streng geschützt: Der Apollofalter. (Foto: Reinhold Esing cc-by-sa 3.0)
Apollofalter auf Blüte.

Um natürliche Lebensräume und die wild lebenden Tiere und Pflanzen in Europa zu schützen, hat die Europäische Union (EU) eine Richtlinie aufgestellt. Das ist so etwas ähnliches wie ein Gesetz, an das sich die Mitgliedsländer der EU halten müssen. Die Richtlinie heißt "Fauna-Flora