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Lexikon

Extreme Lebensräume


Extreme Lebensräume: Mustangs in der Halbwüste...(Foto: Jamie Jackson cc-by-sa 3.0)
Mustangs an einem Wasserloch in Utah
... und Pinguine in der Antarktis. (Foto: gemeinfrei cc0)
Zwei Pinguine auf einer Eisscholle.

Die Könige der Anpassung

Im Polarfrühling schlüpfen die Küken der Kaiserpinguine. (Foto: Ian Duffy cc-by-2.0)
Kaiserpinguin-Paar mit Jungtier

Hunderte von Kilometern von der Küste entfernt, mitten im ewigen Eis der Antarktis, stehen Tausende von Kaiserpinguin-Männchen dicht gedrängt im eiskalten Wind der dunklen Polarnacht. Was wollen die da bloß? Kaum zu glauben, aber wahr: Sie bringen hier ihre Jungen zur Welt. Jeder Pinguin balanciert ein Ei auf seinen Füßen. Auf dem Ei liegt sein speckiger Bauch und hält es warm - so lange, bis im Frühjahr die Pinguin-Küken schlüpfen. Kaiserpinguine sind die einzigen Tiere weltweit, die auf dem Inland-Eis der Antarktis brüten.

Warum machen die Pinguine das? Aus einem einzigen Grund: Hier, mitten auf dem Eis, sind ihre Jungen vor Feinden absolut sicher. Die Erhaltung der Art steht über allem. Und das nicht nur bei den Pinguinen: An fast jedem Ort der Erde gibt es Leben - Tiere und Pflanzen, die sich an die extremsten Lebensräume angepasst haben. Dabei sind erstaunliche Lebensformen entstanden. Lernt einige von ihnen in diesem Monat kennen!

Der Trick des Nebelkäfers

Die Sanddünen in der Namib-Wüste sind die höchsten der Welt. (Foto: Thomas Schoch cc-by-sa 3.0)
Sanddünen in der Namib-Wüste
Der Schwarzkäfer in Namibia heißt auch Nebeltrinker-Käfer. (Foto: Schnobby cc-by-sa 3.0)
Schwarzkäfer in der Wüste.

Die Wüste Namib in Namibia im Südwesten Afrikas hat die höchsten Sanddünen der Erde. Manche von ihnen sind 340 Meter hoch. Tagsüber ist es mehr als 50 Grad heiß, nachts sinkt die Temperatur unter den Gefrierpunkt. Doch eine Besonderheit der Namib sichert den Tieren das Überleben: In den frühen Morgenstunden bildet sich an der Küste Nebel, der ins Landesinnere zieht. Für die Lebewesen der Wüste ist er die einzige Feuchtigkeitsquelle.

Tierische Wasserleitung

Diesen Nebel macht sich auch der Schwarzkäfer zunutze. Am Abend stellt er sich auf den Kamm der hohen Sanddünen. Wenn in der Nacht der Nebel aufzieht, bleiben die winzigen Tropfen am Rücken des Käfers hängen. Nun muss er nur noch seinen Po nach oben strecken - und durch winzige Rillen in seinem Panzer läuft ihm das Wasser direkt in den Mund.

Lebensinseln in der Tiefsee

"Schwarze Raucher" heißen die Schlote am Meeresgrund. Gelöste Mineralien färben das aufsteigende heiße Wasser schwarz. (Foto: gemeinfrei cc0)
Rauchsäulen am Meeresgrund
Eigentlich ist die Welt der Riesenröhrenwürmer stockfinster. Zum Fotografieren wurde hier ein Blitz verwendet. (Foto: gemeinfrei, cc0)
Riesenröhrenwürmer am Meeresgrund
Der Granatbarsch wird in der ewigen Finsternis der Tiefsee uralt. (Grafik: gemeinfrei cc0)
Zeichnung eines Granatbarsches

Tief unten im Ozean ist es dunkel und kalt - immer. Das Sonnenlicht kann die Wassermassen nicht mehr durchdringen und ewige Schwärze breitet sich aus. Doch halt: Kalt ist es nicht überall. Entlang des Ostpazifischen Rückens, eines Gebirgszuges westlich von Südamerika, gibt es heiße Quellen. Tief unten am Meeresgrund steigt 400 Grad heißes Wasser empor. Hier haben sich Schlote aus Mineralgestein gebildet. Und rund um die Schlote wimmelt es von Tiefsee-Lebewesen. Riesenröhrenwürmer, blinde farblose Krabben und Muscheln gibt es hier in großer Zahl.

Doch wie können sie ohne Sonnenlicht überleben? Sie machen sich die Arbeit von Bakterien zunutze, die chemische Stoffe aus den heißen Quellen mit Sauerstoff verbinden und daraus Energie gewinnen können. Muscheln und Röhrenwürmer tragen solche Bakterien in ihren Körpern, während die Krabben die Bakterien einfach auffressen.

Methusalem am Meeresgrund

In der finsteren Tiefsee lebt auch der Granatbarsch. Er ist knallrot - in der Dunkelheit dient diese Farbe als Tarnung. Mit höchstens 70 Zentimetern Länge ist er nicht gerade ein Riese - aber einen Platz unter den ältesten Meereslebewesen bekommt er allemal. 150 Jahre haben die ältesten Granatbarsche auf dem Buckel. Zwar können sie frühestens mit 30 Jahren Nachwuchs bekommen, aber dafür sind sie dann 100 Jahre lang in der Lage, sich fortzupflanzen. Das Problem an der Sache: Gegen Überfischung sind die Tiere sehr empfindlich. Vor Australien und Neuseeland wurden sie innerhalb von 20 Jahren fast ausgerottet. Deshalb gilt dort jetzt ein generelles Fangverbot - doch ob es rechtzeitig gekommen ist, müssen Forschungen erst zeigen.

Tieftaucher im ewigen Eis

Hier siehst du eine Weddellrobbe im Sommer.
Weddellrobbe auf Eis
Die Jungtiere kommen auf dem Eis zur Welt und sind schon mit drei Monaten selbstständig. Weddellrobben können 25 Jahre alt werden.
Weddellrobbenbaby auf Eis

Rund um das Festland der Antarktis erstreckt sich das Meereis, das im Winter viele Kilometer ins offene Meer hinein wächst. Hier lebt die Weddellrobbe. Als einziges Säugetier wandert sie im Winter nicht nordwärts, sondern bleibt in der antarktischen Kälte. Ihr Trick: Sie kann eine Stunde lang die Luft anhalten und 600 Meter tief tauchen. So kann sie auch unter dem dicksten Packeis nach Fischen jagen. Weil sie zum Luftholen an die Wasseroberfläche muss, knabbert sie mit ihren kräftigen Zähnen ständig an den Kanten der Eisschollen herum und hält sich so Luftlöcher frei.

Die Anpassung der Weddell-Robbe ist ein großer Überlebens-Vorteil, denn zumindest im Winter macht ihr niemand die Leckerbissen aus dem Meer streitig. So ist sie in der Lage, ihre Art zu erhalten - genau wie die Kaiserpinguine auf dem Inland-Eis.

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