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Lexikon

Wann ist eigentlich Frühling?


(Foto: gemeinfrei)
Igel zwischen Frühblühern

Vogelgesang am frühen Morgen, erste Insekten im Sonnenlicht und Schneeglöckchen, die ihre Köpfe aus der Erde stecken - der Frühling steht unübersehbar in den Startlöchern. Aber wann ist er denn nun eigentlich da - der Frühling?

Richten sich Pflanzen und Tiere nach dem Kalender?

Krokusblüte mit Biene. (Foto: Sabine Geißler/pixelio)
Lila Krokusblüte mit Biene
Allererste Frühlingsboten: Die Schneeglöckchen. (Foto: gemeinfrei)
Schneeglöckchen im Schnee

Der Blick auf den Kalender verrät: Am 21. März ist Frühlingsanfang. Aber was ist mit den Schneeglöckchen und Krokussen, die schon aus der Erde lugen, mit den singenden Vögeln und tanzenden Insekten? Haben die nicht auf den Kalender geschaut? Wann ist er denn nun wirklich da, der Frühling?

Geh in die Natur!

Um herauszufinden, wann der Frühling kommt, muss man in die Natur gehen. Schauen, wann die ersten Weidenkätzchen am Baum hängen und die Schneeglöckchen blühen. Hören, welche Zugvögel schon zurück sind und wann zum ersten Mal der Kuckuck ruft. Davon gibt es sogar eine Wissenschaft. Sie heißt "Phänologie" und beschäftigt sich mit den Naturerscheinungen und was sie uns über das Wetter und das Klima sagen können. Ein bisschen Phänologie können auch Naturdetektive betreiben.

Was hat die "Phänologie" mit dem Frühling zu tun?

Schneeglöckchen. (Foto: Sivia/pixelio)
Blüten der Schneeglöckchen
Krokuswiese. (Foto: Irene Lehmann/ pixelio)
lila-weiße Krokuswiese unter alten, unbelaubten Bäumen

Die Wissenschaft der Phänologie beschäftigt sich mit den Erscheinungen der Natur. Sie beobachtet, wann sie im Verlauf der Jahreszeiten regelmäßig wiederkehren und ob dies immer zum selben Zeitpunkt geschieht. An vielen verschiedenen Orten in Deutschland beobachten Phänologen ganz bestimmte Pflanzen und halten genau fest, wann diese im Frühjahr zum ersten Mal blühen, wann sie Früchte tragen und wann sie im Herbst die Blätter fallen lassen.

Dabei stellen die Wissenschaftler kleinste Schwankungen fest. Wenn sich diese Schwankungen über einen längeren Zeitraum wiederholen, können die Wissenschaftler Aussagen über Klimaveränderungen machen. Phänologie ist also ein wichtiges Instrument der Klimaforschung.

Wie funktioniert phänologische Forschung?

Weiße Krokusblüte. (Foto: Frank Güllmeister/ pixelio)
weiße Krokusblüte mit Hummel
Lila Krokusblüte mit Wildbiene. (Foto: Karin Jung/pixelio)
lila Krokusblüte mit Hummel
Scharbockskraut. (Foto: Sabine Geißler/pixelio)
Scharbockskraut
Gelber Krokus. (Foto: Bernd Shaw/pixelio)
gelber Krokus mit Biene im Anflug

Weil vier Jahreszeiten für die Forschung viel zu ungenau sind, spricht die Phänologie von zehn Jahreszeiten. Hier wird zum Beispiel in Vorfrühling, Erstfrühling und Vollfrühling unterschieden. Wenn die Haselnuss blüht, ist der Vorfrühling da. Im Erstfrühling beginnen die Forsythien zu blühen und im Vollfrühling blühen die Apfelbäume.

Nicht überall ist Frühling

Dabei müssen Phänologen natürlich auch die Standorte der Pflanzen berücksichtigen. In der Kölner Bucht oder am Oberrhein blühen die Haselsträucher viel früher als in den Mittelgebirgen - wie zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb oder im Harz. So kann der Beginn des Frühlings sich innerhalb Deutschlands um einige Wochen unterscheiden.

Der Winter wird kürzer

Im Laufe der letzten 50 Jahre haben sich die Jahreszeiten verschoben. Der Winter ist kürzer geworden, während die Zeit zwischen Vorfrühling und Spätherbst länger geworden ist. Dies ist die Zeit, in der die Pflanzen wachsen können. Man nennt diese Zeit "Vegetationsperiode". Die Vegetationsperiode hat sich in Deutschland im letzten halben Jahrhundert um rund zwei Wochen verlängert. Phänologen führen diese Verlängerung darauf zurück, dass es wegen des Klimawandels bei uns insgesamt wärmer geworden ist.

Woran können Naturdetektive den Frühling erkennen?

Blüten der Forsythie. (Foto: Sixta Görtz)
Gelbe Blüte der Forsythie, Nahaufnahme.
März an der Ostsee: Während im Binnenland schon die Forsythien blühen, liegen hier noch Schneereste. (Foto: Sixta Görtz)
Wiesen mit Schneeresten an der Ostsee

Wenn du also wissen willst, ob der Frühling da ist, dann hilft dir ein Blick in den Kalender nicht weiter. Schau dir die Natur um dich herum an und suche die "Frühlingsanzeiger". Gut geeignet sind die Forsythien mit ihren leuchtend gelben Blüten. Wenn sie blühen, dann kannst du sicher sein, dass der Frühling da ist. Du kannst aber auch die Tiere beobachten: Die ersten Flüge der Bienen, die Rückkehr der Rauchschwalben aus den Winterquartieren, die ersten Schmetterlinge oder der erste Kuckucksruf sind untrügliche Zeichen für den Frühling.

Und im Urlaub?

Wenn du verreist, beobachte einmal, ob an deinem Urlaubsort die Pflanzen genau so weit sind wie zu Hause. Aus dem Zustand der Pflanzen kannst du nämlich ablesen, ob es in deinem Urlaubsort bisher kühler oder wärmer war als zu Hause. So wirst du zum Beispiel bei einem Urlaub an der Nord- oder Ostsee feststellen, dass Frühling und Sommer hier etwas später beginnen als etwa im flachen Binnenland.

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Phänologische Jahreszeiten

Apfelblüte. (Foto: gemeinfrei)
Apfelblüte vor blauem Himmel.

Das "phänologische Jahr" wird in 10 Jahreszeiten eingeteilt. Sie sind durch die Entwicklung ganz bestimmter "Zeigerpflanzen" gekennzeichnet. Hier findest du ein paar Beispiele aus dem phänologischen Kalender, an denen du selbst die Jahreszeiten ablesen kannst.

1. Vorfrühling

Blüte von Haselnuss und Schneeglöckchen, später Salweide

2. Erstfrühling

Zur Zeit der Süßkirsche blühen auch Schlehdorn und Ahorn, während sich die anderen Laubbäume noch nicht regen. Die Forsythie blüht.

3. Vollfrühling

Mit der Apfel- und Fliederblüte hält der Vollfrühling seinen Einzug

4. Frühsommer

Mit dem Blühbeginn der Gräser setzt der Frühsommer ein. In diese Zeit des Frühsommers fällt auch die Heuernte.

5. Hochsommer

Wenn die Linden blühen und im Garten die Johannisbeeren reifen, dann kommt der Hochsommer. Der phänologische Jahresablauf steht an der Wende zum Spätsommer, wenn sich die ersten Blüten des Heidekrautes zeigen.

6. Spätsommer

Reifezeit für Frühapfel und Eberesche

7. Frühherbst

Wenn die Herbstzeitlose blüht und die Holunderbeeren reifen. In den kommenden Wochen werden vor allem die Birnen geerntet und gegen Ende dieser Jahreszeit die Hauszwetschgen.

8. Vollherbst

Wenn die Rosskastanien, Eicheln, Bucheckern und Walnüsse reifen. Die zweite Hälfte des Vollherbstes ist gekennzeichnet durch die allgemein einsetzende Laubverfärbung bei allen wild wachsenden Bäumen (z.B. Rosskastanie, Rotbuche, Birke, Eiche, Esche) und durch den Blattfall bei den Obstbäumen.

9. Spätherbst

Sobald die wild wachsenden Bäume ihr Laub abwerfen. Wenn die Rüben geerntet werden und das Wintergetreide bald aufgeht, läuft das phänologische Jahr seinem Ende entgegen.

10. Winter

Nach dem Blattfall beginnt die Vegetationsruhe.