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Lexikon

Die Vielfalt innerhalb einer Art


Diese fünf Islandpferde gehören zwar derselben Art an, sind aber dennoch ganz verschieden. (Foto: Regina Mohr / pixelio.de)
Fünf Islandpferde nebeneinander.

Die dritte Säule der Biologischen Vielfalt ist die Vielfalt innerhalb einer Art . Mit "Vielfalt innerhalb einer Art" ist gemeint, dass sich die Individuen einer Art - trotz vieler gemeinsamer Merkmale - dennoch alle voneinander unterscheiden. Das ist sehr wichtig, denn die Anpassung an veränderte Lebensbedingungen, die Widerstandskraft gegen Krankheiten oder Partnersuche und Nachkommenschaft sind Bestandteile des Lebens, die nicht allen Individuen einer Art gleich gut gelingen.

Die Vielfalt innerhalb einer Art hängt davon ab, wie viele Individuen einer Art es überhaupt gibt. Je mehr einzelne Lebewesen derselben Art existieren, desto widerstandsfähiger ist sie. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass seltene Tiere und Pflanzen besonders geschützt werden. Denn wenn zu wenige Individuen einer Art überleben, kann der Bestand der ganzen Art gefährdet sein. Warum das so ist, erklären wir dir an drei Beispielen:

Mehr Vielfalt - bessere Anpassung

Tagpfauenaugen. (Foto: Verena N. / pixelio)
3 Tagpfauenaugen auf Blüten.

Den einzelnen Lebewesen auf unserer Erde gelingt es unterschiedlich gut, sich veränderten Lebensbedingungen anzupassen. Das ist von Art zu Art verschieden, aber unterscheidet sich auch innerhalb einer Art stark von einander.

In Deutschland, wo viele Menschen leben und Wildtiere selten ungestört sind, ist die Fähigkeit, sich der menschlichen Umgebung anzupassen, sehr wichtig. Wildschweine wühlen im Stadtpark, Füchse gehen in nächtlichen Gärten auf die Jagd und Krähen picken auf dem Zebrastreifen. Wer sich so an den Menschen anpassen kann, hat gute Chancen, sich erfolgreich fortzupflanzen und seine Art zu erhalten. Doch die Anpassung gelingt nicht allen Tieren einer Art gleich gut. Manche kommen mit den Veränderungen zurecht, anderen gelingt das nicht.

Je mehr Lebewesen derselben Art es gibt, desto größer ist die Chance, dass viele sich anpassen können und die Art auch bei veränderten Lebensbedingungen überlebt.

Mehr Vielfalt - mehr Widerstandskraft

Klatschmohn, Kornblumen und Kamille am Wegesrand. (Foto: Franz Mairinger / pixelio)
Verschiedene Blumen am Feldrand.

Kennst du das? Es gibt Zeiten, in denen fast die Hälfte aller Kinder aus deiner Klasse krank ist. Wenn im Frühling die Erkältungswelle um sich greift, dann müssen viele mit einem dicken Schnupfen zu Hause bleiben. Viele - aber nicht alle! Manche Kinder sind widerstandsfähig gegen die fiesen Schnupfenviren und stecken sich nicht so leicht an.

Genau solche Unterschiede gibt es auch im Tier- und Pflanzenreich. Dort sind diese Unterschiede für den Erhalt der Art extrem wichtig. Denn die gesunden Tiere oder Pflanzen können den Bestand der gesamten Art sichern, indem sie sich fortpflanzen und die Widerstandskraft gegen bestimmte Krankheiten weiter vererben. Das funktioniert jedoch nur, wenn eine Art aus vielen einzelnen Individuen besteht. Je weniger Individuen einer Art es gibt, desto größer ist die Gefahr, dass eine Krankheit die Art auslöschen kann.

Mehr Vielfalt - mehr Nachkommen

Blauwal vor den Azoren. (Foto: Frank Wirth cc-by-sa @ wikipedia.de)
Blauwal im Meer.

Noch vor einigen Jahrzehnten stand der Bestand der riesigen Blauwale auf der Kippe. Durch die weltweite Jagd auf sie war ihre Anzahl so gering geworden, dass es den  wenigen verbliebenen Tieren kaum noch gelang, sich fortzupflanzen. Zwar sind Blauwale mit bis zu 30 Metern Körperlänge die größten Säugetiere der Erde, aber im weiten Ozean wirkten sie verloren. Die Partnersuche war zum Glücksspiel geworden - immer weniger Blauwale hatten Nachwuchs.

Inzwischen ist die Jagd auf Blauwale verboten. Zusätzlich wurden in verschiedenen Meeren der Erde Schutzgebiete eingerichtet oder werden noch eingerichtet. Für die Blauwale war das Rettung in letzter Sekunde, denn ganz langsam erholt sich der Bestand. Doch was wäre gewesen, wenn man die Jagd auf die Tiere nicht gestoppt hätte? Irgendwann wären so wenige übrig geblieben, dass nicht mehr genügend Walbabies zur Welt gekommen wären - die Blauwale wären ausgestorben.

Diese Gefahr besteht immer, wenn es nur noch wenige Tiere einer Art gibt. Zur Zeit droht sie knapp 20.000 Tier- und Pflanzenarten auf der Erde. Darunter sind so berühmte Vertreter wie die Berg-Gorillas, der Sibirische Tiger und der Narwal. Gerade für diese seltenen Arten ist ein wirksamer Schutz überlebenswichtig.

Arten und Lebensräume schützen - Biologische Vielfalt erhalten

Für den Erhalt der biologischen Vielfalt reicht es also nicht, einzelne Individuen oder kleine Gruppen zu schützen. Dann ist die Vielfalt innerhalb der Art nicht mehr gewährleistet - was zum Aussterben der Art führen kann.

Die Vielfalt  innerhalb einer Art ist also ebenso wichtig wie die Vielfalt der Arten und die Vielfalt der Lebensräume. Alle drei Säulen der Biologischen Vielfalt sind voneinander abhängig und müssen gleichermaßen erhalten werden. Deshalb gilt  es, seltene Tiere und Pflanzen sowie ihre Lebensräume besonders zu schützen.

Mehr zum Thema Artenschutz findest du hier.

 

Kennst du schon die beiden anderen Säulen der Biologischen Vielfalt? Wenn nicht, erfahre hier alles über die Vielfalt der Arten und die Vielfalt der Lebensräume!


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