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Lexikon

Die unglaubliche Reise des Distelfalters


Distelfalter. (Foto: Quartl cc-by-sa 3.0)
Distelfalter von oben.

Erstmals haben Wissenschaftler jetzt nachgewiesen, dass Distelfalter viel weitere  Strecken zurücklegen können, als bisher angenommen. Im Frühling und im Herbst fliegen die kleinen Tiere jeweils bis zu 15.000 Kilometer weit! So starten sie zu Beginn der Regenzeit in West-Afrika und kommen im Frühsommer in Nord-Europa an. Nach wenigen Wochen treten sie den Rückweg an und überwintern schließlich wieder in Afrika. Eine erstaunliche Leistung - schließlich sind die Falter nur sechs Zentimeter groß!

Wie konnten die Wissenschaftler herausfinden, wohin die Schmetterlinge fliegen?

Flügelunterseite des Distelfalters. (Foto: Adrian Häusler cc-by-sa 3.0)
Distelfalter mit angeklappten Flügeln auf einer Distelblüte.

Klar - einem Schmetterling kann man keinen Sender umhängen. Deshalb war bisher auch nicht klar, wie weit die Distelfalter wirklich fliegen und welchen Weg sie nehmen.

Im Jahr 2009 jedoch passierte etwas Merkwürdiges: In West-Afrika hatte es während der Regenzeit so viel geregnet wie lange nicht mehr. Als die Schmetterlinge zu Beginn der Trockenzeit dort ankamen, fanden sie ein Schlaraffenland vor. So konnten sie sich viel stärker als sonst vermehren. Zu Beginn der nächsten Regenzeit machte sich dann ein gewaltiger Pulk von Millionen Distelfaltern auf den Weg in Richtung Norden. Überall auf ihrem Weg wurden sie beobachtet - von 1300 ehrenamtlichen Helfern, die mehr als 60.000 Sichtungen an die Wissenschaftler meldeten - und zwar zwischen West-Afrika und Skandinavien.

Darüber hinaus nutzten die Wissenschaftler auch technische Methoden: Mit Hilfe von Radar konnten sie die Falter, die im Frühjahr 2009 den Ärmelkanal von  Frankreich nach Großbritannien überflogen, sogar zählen. 11 Millionen waren es - und im Herbst kamen 26 Millionen zurück! Außerdem stellten sie fest, dass die Falter manchmal in 1000 Metern Höhe flogen und dort den Wind ausnutzten, um sich über weite Strecken tragen zu lassen. Dabei konnten sie bis zu 50 Stundenkilometer schnell werden.

Drei Jahre hat es gedauert, die Daten der vielen Sichtungen und Untersuchungen auszuwerten, aber jetzt ist es klar: Die kleinen Falter fliegen viel weiter, als man bisher angenommen hatte.

Wie schaffen die Distelfalter die weite Strecke?

Ei eines Distelfalters. (Foto: Harald Suepfle cc-by-sa 3.0)
Raupe des Distelfalters. (Foto: Harald Suepfle cc-by-sa 3.0)

Ein einzelner Distelfalter kann keine 15.000 Kilometer weit fliegen. Das schafft selbst der  Superman unter den Schmetterlingen nicht. Aber etwas anderes kann er sehr gut: Nämlich innerhalb kürzester Zeit erwachsen werden. Und das funktioniert so:

In West-Afrika fliegt die erste Generation Distelfalter los. Nach vielen Kilometern Flug machen sie Pause und legen ihre Eier an Disteln ab. Während die Raupen schlüpfen, sich dick und rund fressen und sich wieder verpuppen, sterben die Alttiere. Sobald die neuen Schmetterlinge aus der Puppenhülle geschlüpft sind, setzen sie den Weg ihrer Eltern fort. Das wiederholt sich noch zweimal - bis die Urenkel der West-Afrika-Falter in Nord-Europa angekommen sind - unglaublich, was?

Woher jedoch die frisch geschlüpften Schmetterlinge wissen, dass sie sich nur auf der Durchreise befinden und wohin sie fliegen sollen, ist noch nicht erforscht. Klar ist aber: Die Schmetterlinge fliegen immer ihren Futterplanzen hinterher. Wenn in West-Afrika die Regenzeit beginnt, machen sich die Falter auf den Weg in Richtung Spanien. Dort kommen sie im frühen Frühjahr an - gerade rechtzeitig zur Blüte ihrer Futterpflanzen.

Nach und nach wird es auch weiter im Norden Frühling - die Schmetterlinge reisen mit. Bis sie schließlich im Frühsommer in Großbritannien und Finnland ankommen. Der Sommer dort beginnt zuletzt und ist schnell wieder vorbei. Dann machen sich die Schmetterlinge wieder auf den Rückweg und erreichen West-Afrika genau zur Trockenzeit.

Wann beginnt in Afrika die Reise der Distelfalter nach Europa?
A, B oder C  - nur eine Antwort ist richtig.
A - Zu Beginn der Regenzeit
B - Am Ende der Regenzeit
C - Während der Regenzeit

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