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Lexikon

Pflanzen auf dem Kriegspfad


Pflanzenfresser haben es gut. Sie müssen nicht auf die Jagd gehen, denn ihre Beute wächst quasi vor der Haustür. Und das Beste: Sie wehrt sich nicht.

Wirklich nicht? Denkste!

Pflanzen haben zwar keine Krallen und Zähne, aber dafür viele andere Tricks auf Lager, mit denen sie sich vor dem Gefressen-Werden schützen. Lerne mit den Naturdetektiven das Waffenarsenal der Pflanzen kennen:

Wolfsmilch - tödlicher Klebstoff

Weihnachtsstern - naschen verboten! (Foto: Kurt F. Domnik / pixelio)
Roter Weihnachststern.

Weihnachtssterne sind nachtragend. Wer einmal an ihnen geknabbert hat, muss sterben. Wie alle Wolfsmilchgewächse sondert der Weihnachtsstern nämlich einen klebrigen Milchsaft ab. Sobald ein Insekt ein Blatt anknabbert, tritt der Saft aus der Blattwunde aus und verklebt dem gefräßigen Krabbeltier den Kiefer. Der Kleber ist so stark, dass er sich nicht mehr lösen lässt. Das Insekt muss verhungern. Ganz schön fies, was? 

Scharfes Pflänzchen - die Ackerschmalwand

Blüten der Ackerschmalwand, die an Wegesrändern, auf Feldern und Wiesen wächst. (Foto: Alberto Salguero cc-by-sa 3.0)
Ackerschmalwand-Blüte, Nahaufnahme.

Wer die Ackerschmalwand probiert, bezahlt zwar nicht mit dem Leben, aber er verdirbt sich gehörig den Magen. Das kleine Wiesenkraut, das so unschuldig aussieht, hat in seinem Blattgewebe zwei unterschiedliche Stoffe eingekapselt. Solange niemand dem Kraut zu nahe tritt, passiert gar nichts. Aber wehe, jemand beißt ein Stück vom Blatt ab. Dann zerstört er damit die kleinen Kapseln und die beiden darin enthaltenen Stoffe vermischen sich. Eine extrem scharfe Mischung entsteht, die jeden Angreifer in die Flucht treibt. Wer einmal probiert hat, kommt bestimmt nie wieder!

Wie die Maispflanze die Wurmtruppe ruft

Auch Mais weiß sich zu helfen... (Foto: Manni 66/ pixelio.de)
Maiskolben an der Pflanze.

Der Mais auf unseren Feldern kann keine giftigen Stoffe bilden, um sich vor Fraßfeinden zu schützen. Aber er hat einen anderen Trick: Wenn seine Wurzeln von Käferlarven angegriffen werden, dann ruft er die Wurmtruppe. Er sendet Botenstoffe aus, die von kleinen Fadenwürmern im Boden wahrgenommen werden. Sobald die Würmer den Botenstoff schnuppern, kommen sie angerückt und fressen die Käferlarven. Der Mais hat wieder seine Ruhe.

So wie der Mais lassen sich auch andere Pflanzen von tierischen Hilfstruppen unterstützen. Die Kartoffel zum Beispiel ruft Raubwanzen herbei, die die Larven des Kartoffelkäfers zum Fressen gern haben. Ulmen senden Durftstoffe aus, die Wespen anlocken, sobald ein Ulmenblattkäfer ein Ei auf ihren Blättern ablegt. Die Wespen fressen die Käfer - und mit dem Eierlegen ist Schluss.

Waffenarsenal im Blatt: Die Tabakpflanze

Die Tabakpflanze ist ganz schön wehrhaft. (Foto: Joachim Müllerchen cc-by 2.5)
Tabakfeld mit blühenden Pflanzen.

Die Tabakpflanze bietet gleich ein ganzes Waffenarsenal auf, um ihren zahlreichen Fressfeinden einzuheizen. Zuerst einmal versucht sie es mit Nikotin. Nikotin ist giftig und wirkt auf viele Insekten tödlich. Nicht aber auf die Raupen des Tabakschwärmers, der seine Eier gerne auf Tabakpflanzen ablegt. Völlig unbeeindruckt vom Nikotin fressen sich die Raupen nach dem Schlüpfen an den Blättern satt. Und mehr noch: Sie reichern das Nikotin in ihrem Körper an und werden auf diese Weise selbst zum Giftcocktail - eine perfekte Feindesabwehr. 

Doch die Tabakpflanze gibt nicht auf: Neben dem Nikotin produziert sie auch Proteine, die die Verdauung der Raupen stören. Diese sollen glauben, sie seien satt und mit dem Fressen aufhören. Doch das funktioniert längst nicht bei allen Raupen. Deshalb ruft die Pflanze als Letztes die Wespenarmee: Mit Duftstoffen lockt sie eine bestimmte Wespenart an, die ihre Eier in die Raupen legt. Damit hat die Pflanze wieder ein paar Angreifer besiegt. Ein großer Rest der Tabakschwärmer schafft es aber trotzdem, sich zu verpuppen und zum Schmetterling zu werden. Der legt dann erneut Eier, aus denen wieder Raupen schlüpfen - und die Schlacht auf dem Tabakblatt geht von vorne los.

Autsch - Brennesseln!

Die Wehrhaftigkeit der Brennessel hast du bestimmt schon zu spüren bekommen. Wie die Brennessel mit winzigen Härchen große Wirkung erzielt,

kannst du hier lesen.

Wie wehrt sich der Walnussbaum gegen Konkurrenten?
A oder B oder C - nur eine Antwort ist richtig.
A Er nimmt anderen Pflanzen die Nährstoffe
B Seine Blätter enthalten einen Stoff, der im Boden zu Gift wird
C Er bildet aggressive Wurzelt-Triebe

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Wie Pflanzen Konkurrenten aus dem Weg räumen

(Zeichnung: Anja Addis / BfN)
Hamster Konstantin mit Glühbirne

Pflanzen sind Egoisten. Konkurrenten, die ihnen Licht und Nährstoffe wegnehmen wollen, können sie gar nicht ausstehen. Deshalb haben viele Pflanzen wirksame Gegenmittel, die sie sogar gegen ihre eigenen Artgenossen richten.

Vielleicht hast du schon einmal gesehen, dass unter einem Walnussbaum fast nichts wächst. Schuld daran ist der Baum selbst, der sich alle Konkurrenten vom Leib hält, indem er in seinen Blättern das sogenannte "Hydrojuglon" produziert. Wenn die Blätter im Herbst zu Boden fallen, machen die Bodenlebewesen daraus das Gift "Juglon". Mit der Zeit ist der Boden unterm Walnussbaum voll von dem Gift - andere Pflanzen haben keine Chance.