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Lexikon

Flussdynamik und Hochwasserschutz


Hochwasser in Köln am Rhein. (Foto: Bundesarchiv, B-422, Günter Sers, cc-by-sa wikipedia.de)
Überschwemmte Häuser am Rheinufer in Köln.
Die Elbe im Juni - Niedrigwasser (Foto: Philipp Herzog / wikipedia)
Elbe bei Dresden.

Das kennst du bestimmt: Immer, wenn es in Deutschland lange regnet, sind die Zeitungen voll von Meldungen über Hochwasser. Wiesen und Straßen stehen unter Wasser, manchmal sogar Häuser oder ganze Siedlungen. In einem trockenen Hochsommer dagegen ist vom Wasser nichts mehr zu sehen. Die meisten Flüsse bestehen dann nur noch aus der Fahrrinne - ringsum sieht es aus wie in der Wüste. Und wieder kann man in der Zeitung darüber lesen.

Doch was da die Schlagzeilen beherrscht, ist ein ganz natürlicher Vorgang und heißt "Flussdynamik". Wenn der Fluss nach andauernden Regenfällen viel Wasser zum Meer bringen muss, tritt er gelegentlich über die Ufer. Bei wenig Wasser im Hochsommer zieht er sich zurück. Tiere und Pflanzen haben sich an diesen steten Wechsel angepasst und sind zum Teil sogar auf ihn angewiesen. Wir Menschen leider nicht.

Im Gegenteil: Durch Begradigung der Flüsse versuchen wir die Schiffbarkeit zu verbessern, Deiche und Dämme sollen vor Hochwasser schützen und Wehre die Wassermassen regulieren. Doch all das bewirkt nur, dass das Hochwasser schlimmer wird. Warum das so ist und was man besser anders machen sollte, das erfährst du hier. 

Warum der Hochwasserschutz so schlecht vor Hochwasser schützt

Stimmt! (Foto: Fotobox / pixelio)
Hochwaser-Warnschild im Wasser.

Bei Hochwasserschutz denken die meisten Menschen an Deiche wie an der Nordsee-Küste. Und richtig: Viele Flüsse sind eingedeicht, um die Häuser an ihren Ufern zu schützen. Doch die Deiche bewirken auch, dass die Wassermassen des Flusses in ein zu enges Bett gequetscht werden. Wenn mehr Wasser transportiert werden muss als der Deich halten kann, bricht er - die Häuser werden überflutet.

Viele Flüsse sind begradigt worden. So sollte sich ihre Schiffbarkeit verbessern, denn durch einen geraden Fluss können große Binnenschiffe besser fahren als durch einen mit vielen Schleifen. Doch dadurch wird das Wasser auch schneller und zerstörerischer.

Über viele Kilometer sind die Flussufer bebaut. Häuser und Straßen stehen in unmittelbarer Nähe des Wassers - dort, wo in früheren Jahrhunderten Wiesen und Auwälder das Wasser aufnehmen konnten, ist jetzt Beton. Wenn das Wasser über die Ufer tritt, kann es nicht versickern - das Hochwasser breitet sich aus.

Wie kann man wirksam vor Hochwasser schützen?

Auwald an der Donau. (Foto: Wolfgang Glock / wikipedia)
Auwald am sandigen Flussufer.
Der Biber baut seine Burgen in ruhigen Flussarmen. (Foto: Stevehdc / wikipedia.de)
Sizender Biber.

Viele Wissenschaftler sind sich inzwischen einig: Wirksamer Schutz vor Hochwasser geht nur mit mehr Natur. Auwälder und Wiesen zum Beispiel sind ein natürlicher Hochwasserschutz. Sie nehmen das Wasser auf und lassen es langsam im Boden versickern. Oft sind die Auwälder und Uferwiesen aber durch Deiche vom Wasser getrennt worden. 

Nun werden an einigen Ufern der großen Flüsse in Deutschland die Deiche zurück verlegt. So soll der Fluss wieder über die Ufer treten können, ohne Schaden anzurichten. Auf diese Weise können auch neue Auwälder und Feuchtwiesen entstehen oder alte wieder belebt werden. Denn viele Tier- und Pflanzenarten sind auf diese Lebensräume angewiesen - wie zum Beispiel der Biber, der seine Biberburg am liebsten in ruhig fließendem Gewässer baut.

Kleinere Flüsse werden "renaturiert". Das bedeutet, dass sie ihren ursprünglichen, kurvigen Verlauf wieder bekommen und die Uferbefestigungen abgebaut werden. So können sich die Ufer wieder natürlich entwickeln und das Wasser im kurvigen Fluss wird langsamer. Für die selten gewordenen Fischotter zum Beispiel sind natürliche Flussufer mit vielen Verstecken überlebenswichtig.

Mehr über die Lebensgemeinschaften am Flussufer kannst du hier 

lesen (auch für jüngere Kinder!).

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Wie der Lachs in den Rhein zurück kommt

Wehr mit Fischtreppe. (Foto: Martin Claussen / pixelio)
Wehr und Fischtreppe an der Ruhr.

Die Verbauung der Flüsse macht auch den Fischen das Leben schwer - besonders denen, die zum Laichen in die Oberläufe wandern wollen. Auf ihrem Weg begegenen ihnen zum Teil unüberwindbare Hindernisse. Wehre und Staudämme verhindern, dass die Fische ihre Laichgründe erreichen können. So erging es viele Jahre lang zum Beispiel dem Lachs im Rhein.

Doch Besserung ist in Sicht: Nach und nach werden an Wehren und Staudämmen sogenannte "Fischtreppen" gebaut. Sie führen wie ein kleiner Wildwasser-Bach neben dem Wehr vorbei. Die Fische können das Hindernis auf diese Weise überwinden. Manche Fischarten sind so schon in Gewässer zurückgekehrt, in denen sie jahrzehntelang nicht vorkamen - wie der Lachs in den Rhein.  In Zukunft wird er in den Nebenflüssen auch wieder laichen können.

Film über den Lachs im Rhein.

Wie dem Lachs geht es auch anderen wandernden Fischarten:

Lies hier mehr über das Neunauge.