Bundesamt für Naturschutz BfN

Hauptbereichsmenü



Lexikon

Naturschutz im Meer


Am Wattenmeer.
Am Wattenmeer
Ein Seehund. (Foto: Hans Peter Dehn / pixelio.de)
Ein Seehund-Kopf aus der Nähe.

Möwen an der Nordsee. (Foto: gemeinfrei)
Blick übers Meer im Gegenlicht.
(Foto: Bettina Seitz / pixelio.de)
Möwen über der Brandung.
In Nord- und Ostsee werden Fische gefangen. (Foto: gemeinfrei)
Fischernetze.
Seenelke in der Nordsee.(Foto: gemeinfrei)
Seenelke auf Stein unter Wasser.

In den Küstengewässern von Nord- und Ostsee hat der Naturschutz schon Tradition. Naturschutzgebiete und Nationalparks an Nord- und Ostsee schützen schon seit Jahren besonders wertvolle Küstenregionen. Doch wie funktioniert eigentlich Naturschutz auf hoher See?

Auf hoher See

Zu jedem Land, das am Meer liegt, gehört ein bestimmtes Meeresgebiet. Dieses Gebiet wird aufgeteilt in die Hoheitsgewässer und die 200-Seemeilen-Zone. Diese Zone beginnt erst zwölf Seemeilen von der Küste entfernt und ragt 200 Seemeilen ins Meer hinein. Hier hat der Küstenstaat ganz bestimmte Rechte und Pflichten. Zu den Rechten gehört zum Beispiel, dass der Staat den Bau von Windkraftanlagen und Ölplattformen zulassen oder den Abbau von Kies und Sand aus dem Meer erlauben darf. Zu seinen Pflichten gehört es,  das Meer als Lebensgrundlage für Tiere und Menschen zu erhalten.

Leben unter Wasser

Knapp 33.000 Quadratkilometer Meeresfläche gehören in Nord- und Ostsee zu Deutschlands 200-Seemeilen-Zone. Dieses Gebiet nennt man auch "ausschließliche Wirtschaftszone" (AWZ). Dort sind große Fangflotten unterwegs, um Fische zu fangen, es wird nach Öl gebohrt und Windkraftanlagen stehen dort. Das Leben spielt sich hauptsächlich unter Wasser ab - und ist deshalb schwer zu beobachten. Aufgrund der großen Entfernung zur Küste ist es auch viel schwieriger zu schützen.

Schutzgebiete im Meer

Trotzdem hat Deutschland einen Teil seiner AWZ zu Schutzgebieten erklärt, weil in diesen Bereichen des Meeres empfindliche und gefährdete Pflanzen, Tiere und Lebensräume vorkommen. Diese sind sogar für ganz Europa bedeutsam. Im Rahmen des gemeinsamen europäischen Schutzgebietsprogramms "Natura 2000" sollen diese Gebiete nun bewahrt werden (siehe Kasten rechts).

Was macht Nord- und Ostsee so schützenswert?

Sandbänke sind Tummelplätze für viele Arten. Hier siehst du eine Meeresschnecke an der Wurzel eines Zuckertangs.(Foto: BfN)
Schnecke auf Sandboden im Meer.
Ein Klippenbarsch am Riff bei Fehmarn. (Foto: BfN)
Ein Klippenbarsch über Rotalgen.

Sandbänke und Felsriffe unter Wasser sind Tummelplätze für besonders viele verschiedene Arten. Hier gedeihen riesige Algen, die kleinen Meerestieren Schutz bieten. Hier siedeln unzählige Muscheln, die wiederum viele verschiedene andere Meeresbewohner ernähren. Und hier kommen auch große Fische zum Jagen hin, denn der Tisch ist immer reich gedeckt. Das ist auch gut für die Säugetiere des Meeres: Robben und Schweinswale machen reiche Beute. Schweinswale ziehen hier auch ihre Jungen auf.

Viele Gründe also, das Meer hier besonders zu schützen. Seit 2008 sind deshalb in der Nordsee vier, in der Ostsee sechs solcher europäisch bedeutsamer Gebiete an die EU gemeldet worden mit dem Ziel, hier einen wirksamen Naturschutz aufzubauen.

Wie wirksam ist der Meeresschutz?

Windpark in der Nordsee vor Belgien. (Foto: Hans Hillewaert cc-by-sa)
Windkraftanlagen im Meer.
Ein Lumb schwimmt vor Norwegens Küste über einem Korallenriff.(Foto: Jago-Team, Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, Kiel)
Lumb über einer Koralle im Meer
Diese Koralle heißt "Lophelia pertusa" und kommt in der Tiefsee vor Norwegen vor. (Foto: Jan Steffen, Geomar Helmholzt-Zentrum für Ozeanforschung, Kiel)
Koralle aus der Nähe.

An den deutschen Küsten klappt das mit dem Meeresschutzes ja schon ganz gut - schließlich steht das Wattenmeer schon seit vielen Jahren als Nationalpark unter besonders strengem Schutz.

Mit dem Schutz auf hoher See sieht das ein bisschen anders aus. Gefischt wird in den Schutzgebieten nämlich trotzdem, auf den Riffen und in ihrer Umgebung wird Kies abgebaut und nach Gas gebohrt. Auch ein Windpark wird wohl mitten in einem Schutzgebiet in der Nordsee gebaut werden, denn der ist schon vor langer Zeit genehmigt worden. Damals gab es hier noch kein Schutzgebiet.

Besserer Schutz für Meerestiere

Naturschutzgebiete ohne Naturschutz sind aber nutzlos. Das will der deutsche Staat ändern, und zwar durch Forschung und Verhandlungen. Im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz erforschen Meeresbiologen das Meer und die See in den Schutzgebieten. Je mehr sie über das Leben unter Wasser und die Gefährdung durch den Menschen erfahren, desto besser können sie Maßnahmen zum Schutz entwickeln, die dann auch in neue Gesetze aufgenommen werden. Empfehlungen der Wissenschaftler bilden die Grundlage für die Verhandlungen, die dann die Politiker untereinander oder mit den Vertretern der anderen Staaten führen müssen.

Das Ganze ist ein zäher Prozess und sicher wird es noch Jahre dauern, bis der Artenreichtum auch auf offener See wirksam geschützt wird.

Überfischte Meere

Ein Anfang ist gemacht: Die Minister der Europäischen Union möchten den Schutz der Meerestiere verbessern. Hier findest du mehr über Fischerei in Nord- und Ostsee und erfährst, wie die Politiker in Europa mehr für den Meeresschutz tun wollen:

Überfischte Meere

Werde zum Meeresforscher!

Hier kannst du ein tolles Spiel spielen, in dem du selbst in die Tiefen der Nordmeere abtauchst und spannende Meeresabenteuer erlebst:

Zum Spiel

zurück

Weiterlesen

Im Artikel "Am Meer" erfährst du mehr über die Nord- und Ostsee. Tauche ein in die Welt der Ozeane vor unserer Haustür:

Zum Meer.

Hier findest du mehr über Fischerei in Nord- und Ostsee und erfährst, warum die Europäische Union mehr für den Schutz der Meerestiere tun will:

Überfischte Meere

Lies hier mehr über Kegelrobben und sieh dir zwei Filme über die putzigen Meeressäuger an.

Zu den Kegelrobben.

Hier findest du mehr über die faszinierende Welt der Sandbänke - mit tollen Filmaufnahmen vom Riesenhai!

Zu den Sandbänken.

Stellst auch du dir unter dem Wort "Riff" sonnendurchflutete Korallenriffe der Südsee vor? Dann lass dich überraschen: Auch in Nord- und Ostsee gibt es Riffe. 

Am Riff ist was los

Hast du gewusst, dass es in der kalten Tiefsee vor Norwegen Korallen gibt? Lies hier mehr:

Zu den Korallen

Meeresenten sind pfeilschnelle Flieger und ausdauernde Taucher. Lies hier mehr über die Wasservögel:

Zu den Meeresenten.

Wer geht Nord- und Ostsee auf den Grund? Wie Meeresforscher arbeiten, erfährst du hier:

Meeresforschung.

Was bedeutet "Natura 2000"?

"Natura 2000" ist ein Netzwerk aus Schutzgebieten in Europa, das besonders bedeutsame Naturräume bewahren soll. Alle Länder der EU müssen der Europäische Kommission Gebiete melden, die sie für besonders schützenswert erachten - zum Beispiel, weil sie besonders artenreich sind oder weil sie für unseren Kontinent so charakteristisch sind.

Mit der Meldung des Gebietes ergeben sich für die Länder auch Pflichten: Sie müssen dafür sorgen, dass die Natur dort wirksam geschützt wird. Dafür haben sie zwar ein paar Jahre Zeit, werden aber nach Ablauf einer bestimmten Frist auch von der EU kontrolliert. Zu den Natura 2000-Gebieten gehören zum Beispiel in Deutschland die Nationalparks an Land und an der Küste, aber auch bestimmte Gebiete im Meer, die vorher noch nicht unter Schutz standen.