Bundesamt für Naturschutz BfN

Hauptbereichsmenü



Lexikon

Was ist die "Rote Liste"?


Der Laubfrosch gilt als gefährdete Art. (Foto: Christian Fischer cc-by-sa3.0 @ wikipedia.de)
Laubfrosch.

Viele Tier- und Pflanzenarten sind durch den Klimawandel, Umweltverschmutzung oder durch den Verlust ihrer Lebensräume selten geworden. Natur- und Artenschutz dienen dazu, diesen Tieren und Pflanzen zu helfen und dafür zu sorgen, dass sich ihre Lebensbedingungen verbessern, so dass sie sich wieder vermehren können.

Doch woher weiß man eigentlich, welche Arten gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht sind? Dazu gibt es die "Rote Liste". Ungefähr alle zehn bis 15 Jahre wird die Liste aktualisiert. Dann kann man sehen, bei welchen Arten sich der Bestand erholt hat und welche noch seltener geworden sind. Die Rote Liste ist ein wichtiges Instrument des Naturschutzes.

Wie viele Rote Listen gibt es?

Bei uns sehr selten und deshalb streng geschützt: Der Sonnentau. (Foto: Uwe Kunze / pixelio.de)
Sonnentau im Wasser.

Es gibt nicht nur einzige eine Rote Liste. In Deutschland gibt jedes Bundesland eigene Rote Listen für die dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten heraus. Die bundesweiten Roten Listen beschäftigen sich mit den Tier- und Pflanzenarten Deutschlands und werden vom Bundesamt für Naturschutz herausgegeben. Jede Rote Liste widmet sich einer bestimmten Pflanzen- und Tiergruppe. Die aktuellste Liste befasst sich mit den Wirbellosen Tieren und ist im Sommer 2012 veröffentlicht worden. Schließlich gibt es noch eine internationale Rote Liste, die die gefährdeten Tier- und Pflanzenarten der Welt auflistet.

Die Rote Liste stuft die untersuchten Lebewesen in verschiedene Gefährdungsstufen ein. Sie reichen von "nicht gefährdet" über "gefährdet" und "stark gefährdet" bis hin zu "vom Aussterben bedroht" und "ausgestorben".

Wie wird die Rote Liste erstellt?

Diese jungen Uhus werden bald beringt. Dann kann man sie immer wiedererkennen und zählt nicht doppelt. (Foto: Michael Gerritzen)
Junge Uhus am Brutplatz.

Wie du dir denken kannst, steckt in so einer Roten Liste viel Arbeit. Tiere und Pflanzen müssen gezählt oder zumindest abgeschätzt und die Ergebnisse mit den Einträgen in den alten Listen verglichen werden. Erst dann kann man sehen, ob eine Art sich erholt hat, ob der Bestand stabil geblieben ist oder abgenommen hat.

Bei dieser Arbeit helfen zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter, die viele Stunden damit verbringen, Wildbienen, Laubfrösche oder Fledermäuse zu erfassen. Ohne diese ehrenamtlichen Mitarbeiter wäre eine Rote Liste nicht möglich. Alle Ergebnisse werden dann von Wissenschaftlern ausgewertet und von Mitarbeitern des Bundesamtes für Naturschutz zusammengetraten und schließlich veröffentlicht.

Wozu braucht man die Rote Liste überhaupt?

Die Hälfte aller Wildbienen-Arten gilt als gefährdet. (Foto: M. Grossmann / pixelio)
Rote Mauerbiene.

Die "Rote Liste der gefährdeten Arten" ist ein Informationswerk, kein Gesetz. Sie allein hat also erst einmal keine Auswirkungen auf den Erhalt gefährdeter Arten oder auf das Verhalten der Menschen.

Aber: Sie ist Grundlage für Gesetze zum Naturschutz. Sie dient den Gesetzgebern als Anhalt, besonders gefährdete Tier- und Pflanzenarten auch gesetzlich zu schützen. Sobald das der Fall ist, darfst du das Tier oder die Pflanze zum Beispiel nicht aus der Natur entfernen. Wenn du es doch tust, kannst du bestraft werden. Gesetzlich geschützt sind zum Beispiel in Deutschland alle Orchideen-Arten. Die darfst du also nicht pflücken.

Daneben hat die Rote Liste aber noch weitere Funktionen: Sie informiert die Öffentlichkeit darüber, wie häufig bestimmte Tiere und Pflanzen bei uns sind und wie es um die Biologische Vielfalt in Deutschland bestellt ist. So zeigt sie Naturschutz-Organisationen, um welche Tiere und Pflanzen sie sich besonders kümmern müssen und ist Grundlage für Naturschutz-Maßnahmen.

Bei der Landschaftsplanung ist sie eine wichtige Entscheidungshilfe. Wenn zum Beispiel eine neue Straße gebaut werden soll, können die Landschaftsplaner aus der Roten Liste erfahren, ob die Pflanzen oder Tiere in dem geplanten Baugebiet besonders geschützt werden müssen.

Eine weitere wichtige Funktion der Roten Liste ist, dass sie auch Grundlage für Ein- und Ausfuhr-Bestimmungen von Tieren und Pflanzen ist. Es ist nämlich nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen erlaubt, international geschützte Tiere und Pflanzen in anderen Ländern zu kaufen und nach Deutschland zu bringen. Das ist zum Beispiel wichtig, wenn du im Urlaub Souvenirs kaufen willst.

Um die Umsetzung dieser Regelungen kümmert sich der Zoll. 

Lies hier, wie der Zoll am Frankfurter Flughafen mit seinen Spürhunden Koffer kontrolliert.

zurück

Frag Konstantin

Hamster Konstantin mit Lupe

Carolin (7) wollte wissen: Wie viele Tierarten gibt es auf der Welt? Mich interessiert die rote Liste bedrohter Tierarten sehr. Ich finde aber nur die rote Liste bedrohter Tiere in Deutschland. Wo kann ich die bedrohten Tiere in China finden?

Das hat Konstantin geantwortet:

Liebe Carolin,
bei der Suche nach einer Antwort auf deine erste Frage bin ich auf die Kinderseite des Naturkundemuseums Kassel gestoßen. Dort steht ganz genau, wie viele Tiere und Tierarten es zur Zeit auf der Erde gibt. Hier kannst du selbst nachlesen:
Zur Kinderseite des Naturkundemuseums

Das mit der weltweiten Liste der bedrohten Tierarten ist schon ein wenig schwieriger. Viele Länder der Erde stellen nationale Rote Listen auf. Dort sind diejenigen Tier- und Pflanzenarten erfasst, die in einem Land vorkommen. All diese Listen werden gesammelt, durch weitere Untersuchungen ergänzt und schließlich zu einer internationalen Roten Liste vereint. Dafür ist die Weltnaturschutzunion zuständig, kurz IUCN. Sie gibt in regelmäßigen Abständen weltweite Rote Listen heraus. Im Juni 2015 ist die internationale Rote Liste zum letzten Mal aktualisiert worden.

Das Problem an der Sache: Diese Listen sind auf englisch. Trotzdem kannst du sie natürlich benutzen, wenn du eine bestimmte Tierart suchst und wissen willst, ob dieses Tier bedroht ist. Du musst allerdings den lateinischen Namen der Tierart kennen. Dann kannst du auf der Internetseite der IUCN nach dem Tier suchen. Am besten lässt du dir dabei von deinen Eltern helfen.
Hier kommst du zur Seite der IUCN.

Wenn du zum Beispiel wissen willst, ob der Große Panda aus China bedroht ist, dann gibst du in das Suchformular den lateinischen Namen "Ailuropoda melanoleuca" ein. Du erfährst dann, dass der Panda stark gefährdet ist ("endangered") und sein Bestand abnimmt ("decreasing").

Artenschutzdatenbank

WISIA ist ein Internetportal, in dem man viele Informationen zum Schutzstatus von international und national geschützten Arten abrufen kann. Hier handelt es sich um Arten, die nach den deutschen Artenschutzregeln geschützt sind. Die Arten unterliegen also gesetzlichen Schutzbestimmun- gen und dürfen nicht ohne weiteres gehandelt oder in Besitz genommen werden.

Hier kannst du nachlesen, welche Tier- und Pflanzenarten in Deutschland geschützt sind.