Bundesamt für Naturschutz BfN

Hauptbereichsmenü



Lexikon

Zuwanderung von Tierarten nach Deutschland

Zuwanderungsarten

Der Wolf ist wieder nach Deutschland eingewandert. (Foto:Templermeister/pixelio.de)
Der Biber konnte durch den Menschen wieder angesiedelt werden. (Foto: steve cc-by-sa 2.0)

Natürliche Zuwanderung

Es gibt eine natürliche Zuwanderung von neuen Tierarten nach Deutschland, hauptsächlich von Südwest und Südost. Einige der zuwandernden Arten waren früher schon einmal hier heimisch und galten zwischenzeitlich als verschollen oder in Deutschland ausgerottet. Dazu zählen Fleischfresser wie verschiedene Adler- und Geierarten, der Wolf und der Braunbär. Auch Elche und Wisente gehören in diese Gruppe der potenziellen Rückkehrer. Einigen ist die Rückkehr bereits geglückt, zum Beispiel reproduziert der Wolf in Sachsen seit ein paar Jahren wieder regelmäßig in freier Natur.

Andere, wärmeliebende, mediterrane Tierarten, wie Bienenfresser, Gottesanbeterin, Äskulapnatter, Östliche und Westliche Smaragdeidechse hatten entweder noch nicht oder nur im äußersten Süden Deutschlands ihre nördliche Verbreitungsgrenze und kommen nun infolge des gegenwärtig sehr milden Klimas weiter nach Norden voran.

 

Wiederangesiedelte Arten

Bei anderen Tierarten, wie beim Elch, dem Wisent, dem Braunbär, oder dem Waldrapp wird eine künstliche Wiederansiedlung erwogen. Bei einigen Arten - wie dem Europäischen Luchs, dem Biber, dem Europäischen Stör und dem Lachs, dem Uhu sowie dem Bartgeier in den Alpen - werden Erhaltungszuchten und Wiederbesiedelungsmaßnahmen bereits konkret mit teils guten Erfolgen durchgeführt.

Vom Mensch eingeführte Arten

Eine andere Gruppe der Zuwanderer stellen die aus menschlicher Gefangenschaft entwichenen oder sogar freigelassenen Tierarten (Papageien- und Sitticharten, Marderhund, Nutria, Mink, Waschbär) dar. Die meisten der neuen Tierarten schaffen keine Probleme, jedoch sind darunter einige, deren Etablierung in unserer heimischen Flora und Fauna durchaus zu Naturschutzkonflikten führen kann.

 

 

Konkurrenten

Der Europäische Nerz wird zum Beispiel durch den aus Zuchtanlagen entwichenen, sehr ähnlichen, aber kräftigeren Amerikanischen Nerz (Mink) aus seinen angestammten Lebensräumen verdrängt. Langfristig kann hieraus für den Europäischen Nerz ein Überlebensproblem entstehen, weil der Mink die gleichen ökologischen Nischen besetzt und somit ein direkter Nahrungs- und Lebensraumkonkurrent ist.

Ein Europäischer Nerz. (Foto: Nicolai Meyer)
Ein Mink. (Foto: Anna Wojtowicz cc-by-sa3.0)

Konkurrenz in Gewässern

Ein weiteres Beispiel für die nachteiligen Auswirkungen von Neubesiedlung ist die Ausrottung ehemals gesunder Flusskrebsbestände durch künstlichen Besatz heimischer Gewässer mit dem Amerikanischen Flusskrebs. Dieser hat die Krebspest mitgebracht, gegen die unser heimischer Flusskrebs nicht immun ist. Oder auch die Fast-Ausrottung der ehemals häufig vorkommenden Flussperlmuschel, einerseits durch Gewässerverschmutzung, andererseits indirekt durch einen Neubürger, die Regenbogenforelle. Diese aus Nordamerika stammende Forellenart ist etwas größer, als unsere ähnlich aussehende, heimische Bachforelle und wurde in großen Beständen durch Anglervereine künstlich in unseren Gewässern ausgebracht. Nun muss man erkennen, dass gegenwärtig ein Verdrängungswettbewerb stattfindet, wobei die heimische Bachforelle der robusten Regenbogenforelle unterlegen ist.

Die größere, künstlich verbreitete Regenbogenforelle
Regenbogenforelle
Die kleinere heimische Bachforelle

Flussperlmuschel
Flussperlmuschel

Das wiederum betrifft die sowieso schon durch Wasserverschmutzung gefährdete Flussperlmuschel, deren Larven auf die Bachforellen existenziell angewiesen sind, indem sie die Kiemen - nur der Bachforellen - besiedeln, um sich im ersten Lebensjahr dort zu entwickeln. Danach lassen sie sich fallen und bohren sich in den Kiesgrund. Die Bachforellen haben keinerlei Schaden dadurch. Sind diese aber nicht mehr da, so ist auch der komplizierte Fortpflanzungsmechanismus der Flussperlmuschel abgeschnitten und das bringt diese ohnehin stark gefährdete Art noch stärker in Bedrängnis.

zurück