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Lexikon

Bitterling

Wir haben uns schon einmal mit der „Zusammenarbeit“ verschiedener Tierarten befasst, oder anders ausgedrückt, der „Symbiose“. Und zwar am Beispiel der Beziehungen der Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) mit ihrem komplizierten Fortpflanzungszyklus und ihrem „Wirt“, der Bachforelle (Salmo trutta). Hier findet ihr weitere Informationen.

Wie arbeiten Bitterling und große Teichmuschel zusammen?

Bitterlingsmännchen in Balzfärbung, die besonders farbenprächtig ist.
(cc-by-sa, Piet Spaans - Viridiflavus @de.wikipedia)
Bitterlingsmännchen in Balzfärbung, die besonders farbenprächtig ist.
Bitterlingsweibchen und -männchen beim Paarungsakt. Schön zu erkennen ist die lange Legeröhre, die das Weibchen in die Muschel einführt.
(cc-by-sa, Piet Spaans - Viridiflavus @de.wikipedia)
Bitterlingsweibchen und -männchen beim Paarungsakt. Schön zu erkennen ist die lange Legeröhre, die das Weibchen in die Muschel einführt. (cc-by-sa,Ostjan @de.wikipedia)

Aber wie verhält es sich denn nun bei der Interaktion unseres heimischen Fischchens namens Bitterling (Rhodeus amarus) und verschiedenen Muschelarten wie Bach- (Unio crassus) und Große Teichmuschel (Anodonta cygnea)?

 

Diese Tierarten bilden solche Symbiose-Pärchen, wo zumindest der eine Partner (der Fisch) nicht ohne den anderen (die Muschel) existieren kann. Aber hier ist es umgekehrt als beim Beispiel mit der Flussperlmuschel: Hier legt der Fisch seine Eier direkt in die Muscheln, damit sich die Brut dort im Inneren sicher und geschützt entwickeln kann.

 

Der Muschel schadet diese Interaktion nicht; wäre das der Fall, müsste man von „Parasitismus“ sprechen, wobei sich der eine Beteiligte auf Kosten des anderen bereichert (oder ihn sogar tötet).

Aber die Muscheln profitieren in diesem speziellen Fall auch von den Fischen, da sich die Muschellarven an diese anheften und so im Gewässersystem auch entgegen der Strömungsrichtung verbreitet werden.

So werden Lebensräume erreicht, die die Muscheln aus eigener Kraft nie erreichen würden.


Erfüllt die Interaktion des Bitterlingweibchens, indem es die Eier in die Muschel hineinlegt, nun die Kennzeichen von
A oder B oder C - nur eine Antwort ist richtig.
A Einer echten Symbiose
B Einer Probiose
C Von einem Parasitismus

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Was ist eine Symbiose?

Eine „Symbiose“ (griech. Sym = zusammen und bios = Leben). Der Begriff kennzeichnet einen verbreiteten Sachverhalt in der Natur, wobei zwei Tier- oder auch Pflanzenarten untereinander oder wechselseitig voneinander abhängig geworden sind. Es gibt „Symbiose“  auch zwischen Pflanzen-, Bakterien- und Pilzarten (z. B. Flechten), oder zwischen Pflanzen und Tierarten (z. B. Blütenbestäubung durch Tiere).

Parasitismus und Mutualismus

Und, wie nicht anders zu erwarten, gibt es eine Reihe von Zwischenformen der wechselseitigen Abhängigkeit, von Mutualismus (beiderseitiger Nutzen) bis hin zum Parasitismus (einseitiger Nutzen und einseitiger Schaden). Die Symbiose beherrscht mehr oder weniger alle Bereiche des Lebens auf der Welt. Nur der Grad der wechselseitigen Abhängigkeit ist unterschiedlich.

In diesem Zusammenhang spielt auch die Vorstellung von einer „Co-Evolution“ eine wichtige Rolle, welche besagt, dass Arten, die Jahrmillionen lang in einem Lebensraum zusammenleben, untereinander mannigfaltige Beziehungsgeflechte gegenseitiger Nutzungen und Abhängigkeiten entwickelt haben sollten. Zum Beispiel ist das Zusammenspiel von Biene und Blütenpflanzen von beiderseitigem Nutzen, denn die Bestäuber - die Bienen - bekommen zumeist einen echten Gegenwert in Form von Nektar für ihre Dienstleistungen. Oder betrachten wir uns Menschen. Wir leben mit unseren Darmbakterien auch in friedlicher Symbiose zusammen, wobei wir davon profitieren, dass uns die Bakterien die Nahrungsbestandteile aufspalten und uns die Grundbausteine für unsere körpereigene Energieerzeugung verfügbar machen.

Probiose

Ein Sonderfall der Symbiose ist bei der oben erwähnten Flussperlmuschel festzustellen, eine sogenannte „Probiose“, weil hier nur ein Interaktionspartner, nämlich die Flussperlmuschel, einen Vorteil von diesem  beiderseitigen „Geschäft“ hat. Dass die Bachforelle ihrerseits hieraus Nutzen zieht, ist nicht ersichtlich. Die frisch geschlüpften Larven der Muscheln besiedeln die Kiemen des Wirtsfischs, indem dieser die passiv im Wasser treibenden Larven einatmet. Dann nisten sich die Winzlinge in den Kiemen ein und werden fortan von der Forelle indirekt ernährt. Die Bachforelle hat durch das listige Treiben der Muschellarven keinen Vor-, aber auch keinen Nachteil. Ist die Larve dann nach rund 9 Monaten zu einer Kleinstmuschel herangewachsen, fällt sie vom Wirtstier ab und lebt fortan eigenständig im Kiesgrund. Wir haben es hier also mit einer einseitigen Form der symbiotischen Interaktion zu tun.