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Lexikon

Der Feldhase

Der Feldhase - ein naher Verwandter des Osterhasen?

(MOdmate@wikipedia.de)
Das Winterfell des Feldhasen wird nicht weiß, wie beim Schneehasen. Es ist etwas grauer als der hier abgebildete Hase im rotbräunlichen Sommerfell. Kennzeichnend für den Feldhasen sind die weiß-schwarz abgesetzten Ohrspitzen, sowie der schwarzweiß abgesetzte Stummelschwanz (Blume).
Europäischer Feldhase

Um den Hasen ranken sich viele Märchen, Mythen und Geschichten. Dabei kommt er gar nicht mal so schlecht weg. Zwar wird er dort schon mal als der Dümmere dargestellt, etwa in dem Wettlauf mit dem Igel. Oder auch als der Ängstliche. Aber er schafft es trotzdem immer wieder, dem Fuchs ein Schnippchen zu schlagen. Allerdings ist dort, wo sich „Fuchs und Hase gute Nacht sagen“ meist nicht die allerbeste Adresse gemeint, sondern eher das abseitigste Abseits, das Leben im "Nichts", auf jeden Fall aber weit außerhalb jeder städtischen Urbanität (die meist aus der Perspektive von uns Menschen mit Fortschrittlichkeit und Entwickeltheit gleichgestellt wird).

Aber die braucht der Feldhase sowieso nicht, er fühlt sich am wohlsten auf übersichtlichen Feldern, wo er weit blicken kann. Denn er braucht zu seinem Wohlbefinden einen enorm großen Sicherheitsabstand zu allem, was sich bewegt. Allerdings sind Hasen im Frühjahr in den Feldern präsenter - einfach besser sichtbar - und für Naturdetektive ideal zu beobachten, denn dann ist Brunftzeit und die sonst nur dämmerungsaktiven Hasen sind auch tagsüber aktiv. In dieser Zeit wird schon mal sämtliche Vorsicht vergessen. Die Männchen (Rammler) fechten in Boxkämpfen den Stärksten unter sich aus und liefern sich wilde Verfolgungsjagden.

  

Der Osterhase (Lepus fabulaeus)

(Foto: A.C.Easton@wikipedia.de)
Der Schneehase (Lepus timidus) ist etwas kleiner als der Feldhase. Bemerkenswert ist die Anpassung an seine schnee- und eisreichen Lebensräume: Anders als der Feldhase wechselt er das graue Sommerfell in ein schneeweißes Winterfell. In Deutschland kommt er in den Alpen vor. Typisch sind die etwas kürzeren Ohren. Man sieht darin eine Anpassung an die insgesamt kälteren Temperaturen in seinen Lebensräumen, denn diese Beobachtung lässt sich auch bei vielen anderen Tierarten machen: Je kälter der Lebensraum, desto kompakter der Körperbau und desto kürzer die Extremitäten - Beine sowie die Ohren. Diese Anpassung ist eine natürliche Frostschutzmaßnahme.

Bringt der Hase die Ostereier? Die Antwort ist: Ja, aber nur wenn das Christkind die Geschenke bringt, der Weihnachtsmann am Nordpol wohnt und der Klapperstorch die Babys ausliefert! Solcherlei mystischer Volksglaube hatte zusammen mit Wahrsagerei und Hexerei früher Hochkonjunktur. Tatsächlich ist leider nicht überliefert, wieso Hasen mit dem Bemalen und Verstecken von Eiern in Verbindung gebracht werden. Eher schon mit ihrer fast sprichwörtlichen Fruchtbarkeit. Hasenweibchen können dreimal pro Jahr bis zu 6 Junge bekommen. Das Hühnerei als gut sichtbares und haltbares Symbol des werdenden Lebens unterstützt dazu diesen Fruchtbarkeitskult. So wurden sie - Hase und Ei - kurzerhand zusammengepackt in die österlichen Kulthandlungen. Es ist jedenfalls eine christliche Tradition, die schon Vorläufer in heidnischen Bräuchen gehabt haben mag. Jedenfalls kam es irgendwann in Mode, auf Osterfesten, am Osterfeuer oder anlässlich der seit der Romantik beliebten Osterspaziergänge, bunt gefärbte Ostereier zu verstecken. Freilich waren das früher keine Schokoladen-Eier, sondern richtige Hühnereier. Und wer hat sie versteckt? Na klar, der Osterhase! Natürlich ist der oben angegebene Name Lepus fabulaeus ein Fantasiename (hättet ihr es gemerkt?) in Anspielung auf das Fabelwesen Osterhase. Natürlich hat der keine wissenschaftliche Bezeichnung.

Ursprünglich waren also die Frühlingsfeste Feiern der Hoffnung auf Fruchtbarkeit und Erneuerung. Hier wurden nach der langen Zeit des Darbens das Frühjahrserwachen und die beginnende Fruchtbarkeit der Felder und des lieben Viehs ausgelassen gefeiert. Dieses Frühlingsfest, das wir heute Ostern nennen, ist also ein Fest der Freude über die Wiederkehr der Sonne nach der Sonnenwende!  So ist auch unser Feldhase, den wir im Frühjahr doch immer wieder einmal zu Gesicht bekommen, ein gerne gesehenes Tier: Er ist jedenfalls ein Sympathieträger für Generationen von Kindern!

 

Der Feldhase (Lepus europaeus)

Der Europäische Feldhase ist keine leichte Beute: bis zu 70 km/h schnell kann er werden und überaus wendig Haken schlagen. (Foto: cc-by-sa Anneli Salo@wikipedia.de)

Der Feldhase (Lepus europaeus) aus der Familie der Hasen (Leporidae) ist ein Säugetier. Die Art besiedelt offene und halboffene Landschaften. Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst weite Teile der südwestlichen Paläarktis; durch zahlreiche Einbürgerungen kommt die Art heute jedoch auf fast allen Kontinenten vor. Aufgrund der starken Intensivierung der Landwirtschaft ist der Bestand des Feldhasen in vielen Regionen Europas rückläufig. Zusammen mit dem Schneehasen ist der Feldhase der größte Hasenartige Europas. Beide Arten haben ein natürliches Verbreitungsareal in Deutschland.

Seit den 1960er Jahren ist der Bestand an Feldhasen in vielen Teilen Europas stark abnehmend. Als Hauptgrund wird recht einheitlich die starke Intensivierung der Landwirtschaft angesehen, insbesondere der massive Einsatz von Dünger und Pestiziden sowie der intensive Maschineneinsatz. In Deutschland wird die Art daher in der Roten Liste als „gefährdet“ (Kategorie 3) geführt, in einigen Bundesländern wie Brandenburg und Sachsen-Anhalt als „stark gefährdet“ (Kategorie 2). Der Weltbestand gilt laut IUCN als ungefährdet ("least concern").

Die sog. "Hasenartigen" (Lagomorpha) sind eine Ordnung, die zur Überordnung der Höheren Säugetiere (Euarchontoglires) gezählt wird. Sie besteht aus zwei Familien: Pfeifhasen (Ochotonidae) und Hasen (Leporidae) mit weltweit zusammen ca. 80 Arten. Die Hasenartigen werden vor allem aufgrund verschiedener Merkmale des Schädelaufbaus, der Bezahnung und des Baus der Hinterbeine zusammengefasst und den Nagetieren (Rodentia) gegenübergestellt. Sie gehören also nicht, wie oft fälschlich angenommen, zu den Nagetieren.

Wer zählt alles zu den Nagetieren?
A, B, C oder D - nur eine Antwort ist richtig.
A Nur die Hasen
B Nur Kaninchen
C Hasen und Kaninchen zusammen
D Weder - noch

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Wildkaninchen

Kleiner als die Hasen, sowie kürzere Beine und kürzere Ohren, gerne gesellig unterwegs und ausgedehnte Gangsysteme in die Erde grabend, so kennt man sie sogar bei uns in der Stadt: Kaninchen sind Kulturfolger und in fast jeder Grünanlage zu finden, deren Boden nicht zu hart ist. (cc-by-sa Noodle snacks@wikipedia.de)

Das Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) wird oft mit Hasen verwechselt. Es ist die einzige Art in der Gattung Oryctolagus innerhalb der Familie der Hasen (Leporidae). Es ist also nur weitläufig mit den echten Hasen verwandt. Das Kaninchen gilt als die Stammform aller bei uns bekannten Hauskaninchen. Der Name Kaninchen geht wahrscheinlich auf den lateinischen Begriff „cuniculus“ zurück, dessen Übersetzung „Tunnel“ bedeutet. Denn im Unterschied zu Hasen sind Kaninchen exzellente Tunnelbauer. Die Wohnkolonien können ein Röhrensystem mit 100 Metern Länge aufweisen. Kaninchen sind kleiner als Hasen und haben kürzere Gliedmaßen und Ohren, angepasst an ein Leben im Tunnelbau.

Das Wildkaninchen wurde wahrscheinlich aus Spanien kommend durch menschliche Aktivitäten überall in Europa verbreitet. Inzwischen sind sie sogar auf sehr vielen Erdteilen verbreitet, darunter besonders Australien. Es lässt sich verhältnismäßig leicht jagen und mittels Schlingen fangen. In Notzeiten war es für viele Leute eine wichtige Fleischressource. Noch in der frühen Industriealisierungswelle im späten 19. Jahrhundert und auch danach waren sie als „Stallhasen“ beliebt, weil sie in jedem noch so kleinen Hinterhof platzsparend in Kaninchenställen gehalten und gezüchtet werden konnten, und mit „Unkraut“ aus der Umgebung gefüttert werden konnten. So waren sie unverzichtbarer Bestandteil der armen Arbeiterhäuser auch und gerade besonders in den Arbeitersiedlungen des Ruhrgebiets.

Eine Welt voller Feinde

Die Welt der Hasen und Kaninchen ist voller Gefahren. Sie gehören zum festen Nahrungsbestandteil von einer Reihe von Raubtieren:

Prädatoren der Hasen : Wolf (Hund), Fuchs, Uhu, teilweise Greifvögel, Mensch

Prädatoren der Schneehasen: Wolf, Adler, Fuchs, Uhu, Mensch

Prädatoren der Kaninchen: Fuchs, Marderartige, Katzen, fast alle Eulen und Greifvögel, Mensch

In Kürze: Was bedeuten die Begriffe

1. Prädator?
Räuber, der selbst allerdings auch Geraubter (z. B. als Jungtier) werden kann (wie Fuchs, Iltis, Hermelin, Marder, Otter, Greife, Eulen, Hecht, Zander, Lachs)
2. Superprädator?
Wolf, Bär, Adler, Uhu, Luchs: In ihrem Lebensraum sind sie jeweils (theoretisch) unschlagbare Räuber
3. Top Level-Prädator?
Der Mensch, der in allen Lebensbereichen dominant ist und auch die Superprädatoren mit seinen Distanzwaffen voll beherrscht