Bundesamt für Naturschutz BfN

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Lexikon

Wasser

Unser blaues Gold. Wasser ist kostbar!

Die Erde ist bedeckt mit einem Mosaik unterschiedlicher Klimazonen. Faktoren wie Sonnenscheinintensität, vorherrschende Windrichtungen und vorherrschende Strömungsverhältnisse im Meer spielen bei der Entstehung eine wesentliche Rolle. Einige sollen hier vorgestellt werden. Sie alle sind geprägt durch die Anwesenheit von mehr oder weniger Wasser. Du fragst vielleicht, was hat das Thema Wasser mit Naturschutz zu tun? Die Antwort ist relativ einfach: alles Leben auf dieser Erde weist eine Abhängigkeit vom Wasser auf. Also, Wasser beeinflusst alle Lebensentwicklung in jedem Erdwinkel. Du kannst ja mal aufzählen, wofür du täglich Wasser brauchst. Dann wirst du vielleicht auch feststellen, wie wichtig Wasser für unsere Existenz und für unser Wohlbefinden ist.

Humides Klima in Nordeuropa, Nord-USA und Kanada:

(Günter Wieschendahl @wikipedia.de) Typischer oligotropher (sehr sauberer, nährstoffarmer) See in den Alpen. Die Alpenseen werden fast zu 100 % aus Schmelzwassern des Hochgebirges gebildet (Schnee- und Eisschmelze). Das Wasser hat nahezu Trinkwasserqualität. Die Alpen bilden für ganz Zentraleuropa ein wichtiges Trinkwasserreservoir. Der durchschnittliche Wasserverbrauch liegt in Deutschland pro Tag und Kopf bei 127 Litern (ohne Industrie). In Ländern mit viel Bewässerungsbedarf ist dieser Betrag um Etliches höher
Der Davos-See
(cc-by-sa André de Saint-Paul @wikipedia.de) Typisches mesotrophes (mittelstark mit Trübstoffen und Nährstoffen belastetes) niederdeutsches Fliessgewässer (hier ein Abzweig der Ems) mit geringer Reliefenergie (= Differenz zwischen höchster und niedrigster Geländehöhe) der Landschaft. Das Wasser fließt gemächlich dahin und führt Sediment, Nähr-, Schad- und Trübstoffe mit sich. Ungefiltert kann das Wasser zur Feldbewässerung und zur Viehtränke verwendet werden. Leitungswasserqualität hat es aber nicht.
Fliessgewässer in Niedersachachen (Ems-Altarm)

Wir leben hier in Deutschland in gesegneten Verhältnissen. Es regnet bei uns relativ beständig, so dass eine künstliche Bewässerung unserer Felder nur selten erfolgen muss. Man könnte daher meinen, dass es Wasser ja im Überfluss gibt auf unserer Welt. Doch leider trifft das nur auf einen relativ kleinen Anteil der Landoberfläche insgesamt zu, wenn man mal vom salzigen Meerwasser absieht, das aber für die meisten Landlebewesen zum Trinken nicht geeignet ist. Also hier bei uns und weiter nördlich herrschen „humide Verhältnisse“ (humid = feucht). Humidität bedeutet: Die Flüsse fließen das ganze Jahr über und trocknen nicht aus, es fließt mehr Süßwasser ins Meer ab, als wir verbrauchen können oder als verdunstet.

Das Grundwasser im Boden steht häufig oberflächennah und die unterirdischen und oberirdischen Reservoire (Speicher) sind meist gut gefüllt. Die Vegetation regeneriert sich ohne Schwierigkeit jederzeit wieder neu. Jeder Acker begrünt sich spontan von selbst, und wird, wenn er nicht bewirtschaftet wird, erst zu Brache, dann zu Buschland und dann wieder zu Wald. Aus einem abgeholzten Buchenwald, wie er für unsere Breiten in Zentraleuropa typisch ist, entsteht ohne Zutun von uns Menschen binnen hundert Jahren wieder ein Buchenwald im Klimaxstadium (Reifestadium). Für den Boden bedeutet das: regelmäßiger Aufbau weiterer Humuslagen: Es wird im Wald mehr Humus generiert, als er selber wieder verbraucht. Die Ertragsfähigkeit ist also meist gut. Es ist ein perfekter Kreislauf und es fällt mehr Niederschlag, als verdunstet wird! Es gibt nicht nur die kalt-humiden Klimate wie bei uns, sondern auch die warm-humiden in den äquatorialen Regenwäldern. Humides Klima bedeutet:

Die Formel „Niederschlagsmenge ist kleiner als die Verdunstungsmenge“ gilt für 0 bis 6 Monate im Jahr.

Semi-arides Klima im Mittelmeerraum und Südafrika:

(cc-by-sa Markus Schweiss @wikipedia.de) Typische Landschaft der Macchia im Mittelmeerraum. Früher wuchsen hier Steineichenwälder. Diese Wälder können sich aber nun nicht wieder einstellen, da die Böden inzwischen degradiert (in ihrer Leistungsfähigkeit verschlechtert) sind. Ein solcher Wald hätte eine wesentlich höhere Wasserbindungsfähigkeit des Bodens zur Folge und würde dadurch auch das Klima großräumig beeinflussen.
Mediterranes Karstgelände mit Macchia-Bewuchs
(cc-by-sa Jeantosti @wikipedia.de) Steineichenhain als Baumgruppe in einem mediterranen Feld. Steineichenwälder würden ohne Einfluss des Menschen einen wesentlichen Teil der mediterranen (Mediterra = Mittelerde: Sammelbegriff für die mittelmeerständigen Randgebiete) Bodenbedeckung ausmachen. Allerdings würde es Jahrtausende dauern, bis sich wieder genügend Humusboden gebildet hat.
Steineichen-Baumgruppe auf Feld

In unseren südlichen Nachbarregionen, wie Griechenland, dem Balkan, Südfrankreich, der Türkei, Italien und Spanien - dem Mittelmeer zu - regnet es bereits erheblich weniger. Für uns Urlauber ist es dort die reine Freude, u. a. wegen der Schönwettergarantie im Sommer, aber für die Landwirte dieser Länder ist es durchaus ein Problem: Sie verfügen nicht wie wir bei uns über stabile Niederschlagsverhältnisse und müssen Vorsorge treffen für länger anhaltende Dürreperioden. Es herrschen dort „semi-aride Verhältnisse“ (semi = Mittel und aridus - lat. = trocken). Aridität bedeutet: Die Flüsse fließen nicht mehr durchgängig ganzjährig ins Meer, sondern viele trocknen im Sommer aus. Die Vegetation ist eine andere als hier bei uns: Nicht so grün - und dazu stachelig und hartlaubig (Hartlaubgewächse). Kennzeichnend sind die Mehrjährigkeit der Blätter, es findet kein massenhafter Laubabwurf im Herbst statt und es fehlen ausgeprägte Jahreszeitenwechsel.

Der Grundwasserstand ist niedrig. Landwirtschaft kann noch im Feldbau betrieben werden, aber es muss regelmäßig künstlich bewässert werden. Und anders als bei uns, entwickelt sich auf einem unbedeckten Stückchen Acker nicht von selbst als Endstadium ein dichter, voller Wald, (z. B. wie ursprünglich die Steineichenwälder in dieser Region) sondern ein offenes Buschland mit vorherrschender, dorniger Macchie (Dornensträucher). Durch jahrhunderte lange Übernutzung, Brandrodung und durch Windausblasung (Bodenerosion) sind bereits wertvolle Humusanteile aus dem Boden verschwunden, mit der Folge, dass die Bodenfruchtbarkeit strukturell abgenommen hat. Je nach Bodenverhältnissen, Sonnenexposition und Wasserverfügbarkeit (Grundwasser) kann es sogar dazu kommen, dass sich keine geschlossene Bodenbedeckung mehr spontan entwickelt. Das wiederum fördert die Gefahr für eine ungünstige Wüstenentwicklung. Die Ertragsfähigkeit ist also herabgesetzt. Semiarides Klima bedeutet:

Die Formel „Niederschlagsmenge ist kleiner als die Verdunstungsmenge“ gilt für 6 bis 9 Monate im Jahr.

Arides Klima in Nordafrika, Zentralasien, Süd-USA:

(cc-by-sa Vaclav.prasil @wikipedia.de) Typische Wüstensteppenlandschaft mit Vegetationsresten und Oase im Hohen Atlasgebirge, Nordafrika. Die klimatischen Bedingungen in der Sahara sind seit Jahrtausenden stabil, es regnet weniger als verdunsten könnte.
Atlasgebirge, Nordafrika
(cc-by-sa Taguelmoust @wikipedia.de) Oase bei Timimoun in der algerischen Wüste. Ein äußerst knappes Gut in der Wüste ist Süßwasser! Die Wüste breitet sich vor allem durch den Nutzungsdruck durch Viehherden an ihren Rändern - z. B. im Sahel - einer Savannenlandschaft - immer weiter aus.
Timimoun in der algerischen Wüste

Und auf der anderen Seite des Mittelmeeres im angrenzenden Afrika, erstreckt sich ziemlich direkt hinter einem schmalen Küstensaum eine riesige Wüste von Osten bis Westen quer durch den ganzen Kontinent: Die Sahara. Es herrschen hier Wasserverhältnisse vor, die man mit absolut unzureichend bezeichnen kann. Wenn es einmal regnet, dann sind das innerhalb von ein paar kurzen Wochen hintereinander (Regenzeit) ein paar Schauer und danach das ganze restliche Jahr fast nichts mehr. Ganz klar, dass hier nur überlebt, was mit solchen extremen Situationen fertig werden kann. Landwirtschaft ist hier nur an besonders günstigen Stellen überhaupt möglich.

Das Grundwasser steht meist sehr tief. Häufig handelt es sich sogar um "antikes" Wasser, also aus einer regenreicheren Epoche stammend. In Oasen zum Beispiel, wo Grundwasser an die Oberfläche kommt, gibt es natürliche Quellen. Ansonsten muss nahezu aller landwirtschaftlicher Anbau künstlich bewässert werden. Fast alle Flüsse sind abflusslos, d. h. ihr Wasser ist bereits verdunstet, bevor es im Meer oder in einer Binnenland-Salzpfanne ankommen kann. Hier herrschen sog. „aride Verhältnisse“ (arid = trocken). Hier liegt fast aller Boden schutzlos der Sonne preisgegeben, so dass er zu reinem Sand zerfällt. Ein Humusaufbau findet nicht statt. Wird hier ein vorhandener Wald abgeholzt, kommt es zu keiner spontanen Wiederherstellung. Das Land verwüstet und der Boden verödet. Die Ertragsfähigkeit ist gering. Es gibt nicht nur warm-aride Gebiete, sondern auch kalt-aride Gebiete: Polarwüsten oder Hochgebirgsregionen zum Beispiel. Vollarides Klima bedeutet:

Die Formel „Niederschlagsmenge ist kleiner als die Verdunstungsmenge“ gilt für 10 bis 12 Monate im Jahr.

Was ist der Unterschied zwischen Aridität und Humidität?
A oder B oder C - nur eine Antwort ist richtig.
A Die Temperatur
B Das Klima
C Humides Klima hat Überflussmengen - arides hat Wassermangel

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Am 22. März war „Weltwassertag “

Flag of the United Nations (UN)

Von den Vereinten Nationen (UN) wurde im Dezember 1992 in einer Resolution (gemeinsame schriftliche Erklärung der Mitgliedsstaaten) der 22. März eines jeden Jahres zum "Tag des Wassers" ("Day for Water") erklärt. Der diesjährige Weltwassertag 2010 stand unter dem Motto: "Clean water for a healthy world" (Reines Wasser für eine gesunde Welt). Rückblickend lässt sich feststellen, dass dieser Tag international an Bedeutung gewinnt. Denn Wasser ist das wichtigste Lebensmittel überhaupt und wird in vielen Teilen unserer Welt immer knapper. Viele Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Zwar sind 71% der Oberfläche unseres Globus mit Salzwasser bedeckt. Aber der Anteil des Süßwassers am gesamten Wasservorkommen der Erde beträgt nur ungefähr 3 %. Davon liegt der überwiegende Anteil in Form von Eis der beiden Polarregionen und in Gletschern einiger Hochgebirge vor. Nur ein kleiner Restanteil steht im Wasserkreislauf der Verdunstung, des Abregnens, des Versickerns und des Fließens den Lebewesen auf den Kontinenten zum Verbrauch und zum Leben zur Verfügung.

Nach Ansicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) muss der ökologische Zustand der Gewässerlandschaften in Deutschland dringend verbessert werden. Das zeigen die Bestandsaufnahmen von Wasserwirtschaft und Naturschutz der letzten Jahre. Intakte Auen-Ökosysteme leisten aufgrund ihrer Fähigkeit zur Selbstregulation wichtige Beiträge für sauberes Wasser und für die Dämpfung von Hochwasserspitzen. Leider gibt es bei uns nur noch sehr wenige naturnahe Fluss- und Bachauen.

Karstquelle „Rhumequelle“

(cc-by-sa Tola69 @wikipedia.de) Hauptquelltopf der Karstquelle „Rhumequelle“ im südlichen Harzvorland.
Quellsee der Rhumequelle bei Rhumspringe

Die Speisung der Quelle erfolgt durch unterirdische Zuläufe des Gipsdeckgebirges des Südharzes. Die Quellschüttung beträgt im Durchschnitt mächtige 2000 Liter pro Sekunde. Die Rhume ist von Beginn an ein recht ansehnliches Flüsschen. Theoretisch könnte jeder Einwohner Deutschlands täglich über zwei Liter Wasser aus der Rhumequelle erhalten. Für jeden Bundesbürger wurde eine Durchschnittszahl von 2,5 Litern  als täglicher persönlicher Bedarf errechnet. Die Rhume ist ein Nebenfluss der Leine und entwässert über die Weser in die Nordsee.

In Kürze: Was bedeuten die Begriffe

1. Klimaxstadium?
relativ stabiler Endzustand des Waldes, in dem alle Varianten des Aussamens, Aufwachsens, der Reifung, des Absterbens und des Verrottens parallel stattfinden
2. Humusbildung?
Humus ist die belebte Schicht im Boden. Der Aufbau erfolgt vornehmlich in humiden Klimaten durch den Zerfall und die stattfindende Zersetzung von Grünmasse durch Boden-Kleinstlebewesen
3. Bodendegradation?
Auswaschungen und Ausblasungen von Humus- und Mineralienbestandteilen des Bodens bei dauerhafter Herabsetzung seiner Ertragsfähigkeit
4. Ertragsfähigkeit?
Im Zusammenhang mit der Bodenfruchtbarkeit und dem verfügbaren Feuchteangebot stehendes Wachstumspotential eines Bodenstandorts für Pflanzen
5. Karst?
Auswaschungen und Auslaugung von Carbonatgesteinen (Gips, Kalk) durch das im Regenwasser vorhandene Kohlendioxid (Kohlensäure), welches im Sickerwasser Kalk aus dem Gestein herauslöst und riesige Höhlensysteme schaffen kann