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Lexikon

Raubtiere in Deutschland - Teil 2

Raubtiere - Teil 2: Räuberisch lebende Säugetiere in Deutschland

Der Waschbär ist ein Kleinbär, ursprünglich beheimatet in Nordamerika, bei uns seit ungefähr 70 Jahren eingebürgert, mit Ausbreitungstendenz. (Foto: cc-by-sa Quartl@wikipedia.de)
Waschbär
Der Marderhund (Nyctereutes procyonoides) gehört zu den echten „Hunden“ , obwohl er wie eine Mischung aus Hund/ Waschbär/Marder wirkt. (Foto: cc-by-sa Piotr Kuczyński@wikipedia.de)
Rotfuchs
Rotfuchs (Vulpes vulpes), hier im Winterfell, ist ein echter "Hund" und ein effizienter Hühner-, Mäuse,- Kaninchen und Hasenjäger. (Foto: cc-by-sa V. Bern@wikipedia.de.)
Marderhund

Wir haben euch im ersten Teil bereits die großen Raubtiere Deutschlands vorgestellt.  Jetzt wollen wir euch die kleinen Raubsäuger zeigen.

Zoologen unterscheiden zwischen fleischfressenden (karnivoren) Tieren und der Säugetierordnung „Carnivora“ als taxonomische Einheit (vergleichende biologische Verwandtschaftssystematik). In der Umgangssprache umfasst der Begriff „Raubtiere“ aber nicht nur die Carnivora sondern alle derzeit lebenden (rezenten) und ausgestorbenen (fossilen) „räuberischen“ Wirbeltierarten, wie auch Raubfische (Haie), Reptilien (Krokodile, Schlangen, Raubsaurier), Raubbeutler (Tasmanischer Teufel, Beutelwolf), Greifvögel und Eulen („Raubvögel“).

Was zählt alles zu den Raubtieren?

(cc-by-sa Huhu Uet@wikipedia.de) Baummarder (Martes martes). Die Echten Marder (Martes) sind eine Raubtiergattung aus der Familie der Marder (Mustelidae)
Baummarder
(U.S. National Park Service @wikipedia.de) Die Dachse (Melinae) sind eine Raubtiergruppe aus der Familie der Marder (Mustelidae), die im Rang einer Unterfamilie geführt werden. Sie sind die schwersten Marder bei uns
Dachs
(cc-by-sa Franco Atirador@wikipedia.de) Der Steinmarder (Martes foina) ist eine Raubtierart aus der Familie der Marder (Mustelidae). Er ist Kulturfolger und etwas schwerer als der Baummarder
Steinmarder

Die „Raubtiere“ (Carnivora) sind eine Ordnung der Klasse „Säugetiere“  (Mammalia), welche die beiden Überfamilien der „Hundeartigen“ (Canoidea) und der „Katzenartigen“ (Feloidea) umfasst. Zu den „Carnivora“ werden auch die Meeresraubtiere, wie die Robben und Seelöwen gezählt, deren schwerste Vertreter, das Walross und der See-Elefant (mit bis zu 500 kg, männliche Tiere) sind.

Die wissenschaftliche Bezeichnung „Carnivora“ setzt sich aus den lateinischen Begriffen carnis „Fleisch“ und vorare „verschlingen“ zusammen. Doch es ernähren sich viele „Raubtiere“ nicht ausschließlich von Fleisch; es sind z. B. der Dachs oder die Bären (Ursidae) opportunistische Allesfresser. Es gibt sogar Arten, die reine Pflanzenfresser (geworden) sind (Großer Pandabär). Alle landlebenden Carnivora tragen darüber hinaus ein charakteristisches Gebissmerkmal: die sogenannte P4/M1-„Brechschere“, die sich jeweils aus zwei starken Reißzähnen zusammensetzt und hervorragend geeignet ist, um die Beute festzuhalten und um Fleisch zu zerschneiden.

Wale zählen nicht zu den „Raubtieren“, auch wenn sie räuberisch leben

Großes Wiesel oder Hermelin (Mustela erminea) im Sommerfell. Wiesel zählen zu den "Marderartigen" (Mustelidea) (Foto: cc-by-sa 2,5, James Lindsey@wikipedia.de)
Hermelin
Mauswiesel (Mustela nivalis) der kleinste Raubsäuger. (Foto: cc-by-sa Keven Law @wikipedia.de)
Mauswiesel
Europäischer Iltis oder Waldiltis (Mustela putorius), die Stammform der gezüchteten Frettchen. (Foto: cc-by-sa Malene Thyssen@wikipedia.de)
Iltis

Um die räuberisch lebenden Wale einordnen zu können, müssen wir in der taxonomischen Einordnung weiter zurückgehen. Die Wale (Cetacea) sind neben den Carnivora eine weitere Ordnung der Säugetiere mit knapp 80 Arten, die ausschließlich (in allen Lebensabschnitten) im Wasser leben. (Die Bezeichnung Walfisch ist übrigens falsch, da die Wale nicht zu den Fischen gehören, sondern echte höhere Säugetiere - Eutheria sind, deren Vorfahren einmal Landlebewesen waren). Räuberisch lebende Wale zählen also nicht wie die Robben und Seelöwen zu den „Carnivora“, trotzdem ist ihre Lebensweise karnivor (Fleisch verzehrend).

In Deutschland lebende räuberische Tierarten aus den beiden Säugetierordnungen Carnivora und Cetacea

Die Kegelrobbe war in D. vom Aussterben bedroht. Mittlerweile greifen Schutzbemühungen, der Bestand wächst wieder (Foto: cc-ba-sa Andreas.Trepte@wikipedia.de)
Kegelrobbe
Schweinswale sind keine Superprädatoren, weil sie regelmäßig von Schwertwalen bejagt werden (Foto: cc-by-sa Fjord&Bælt@wikipedia.de)
Schweinswal
Gemeiner Seehund (Phoca vitulina). Bestände in der Nordsee sind stabil (Foto: cc-by-sa Marcel Burkhard@wikipedia.de)
Seehund

Die „Hundeartigen“ (Säugetierordnung Raubtiere - Carnivora)

Von den Raubtieren der Überfamilie „Hundeartige“ sind bei uns in Deutschland die folgenden Familien mit einer oder mehreren Arten vertreten:


  • Hunde (Canidae): Wolf, Haushund, Fuchs, Marderhund
  • Bären (Ursidae): Europäischer Braunbär (in D. ausgestorben)
  • Hundsrobben (Phocidae): Kegelrobbe, Seehund
  • Kleinbären (Procyonidae): Waschbär
  • Marder (Mustelidae): Iltis, Mauswiesel, Hermelin, Nerz, Mink, Baummarder, Steinmarder, Dachs, Fischotter

Die „Katzenartigen“ (Säugetierordnung Raubtiere - Carnivora)

Von den Raubtieren der Überfamilie „Katzenartige“ (Feloidea) ist bei uns nur die Familie der „Katzen (Felidea)“ vertreten und zwar mit zwei Gattungen:


  • die Gattung Felis; (diese vertreten durch 2 Arten - Europäische Waldkatze („Wildkatze“, Felis silvestris silvestris, und „Hauskatze“, Felis catus), sowie
  • die Gattung Lynx, vertreten durch 1 Art, den Europäischen Luchs.

Die Gattung Phocoena (Säugetierordnung Wale - Cetacea)

Von der Gattung Phocoena (Säugetierordnung der Wale, Cetacea) sind in Gewässern nur die Schweinswale (Phocoena phocoena) dauerhaft reproduzierend vertreten (Nord- und Ostsee).

Welcher Ordnung gehören die Seehunde und Robben an?
A oder B oder C - nur eine Antwort ist richtig.
A Cetacea
B Primavera
C Carnivora

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Fischfressende Arten der Familie der Marder

Europäischer Nerz (cc-by-sa Nicolai Meyer@wikipedia.de)
Europäischer Nerz
Mink - Amerikanischer Nerz (cc-by-sa Anna Wójtowicz@wikipedia.de)
Nodamerikanischer Mink

Der Europäische Nerz (Mustela lutreola) und sein etwas kräftigerer nordamerikanischer Vetter, der Mink, sind ähnlich dem Fischotter gute Fischjäger. Bei beiden besteht eine starke Beziehung zum Wasser. Der Mink ist ein sog. Problem-Neozoon (tierischer Neubürger, der Probleme macht), weil er die gleichen Lebensräume besetzt wie der einheimische Nerz, den er aufgrund seiner Größe und Agressivität allmählich verdrängt. Der Mink ist wegen seines weichen Pelzes sehr häufig in Zuchtanlagen gehalten worden, aus denen er entweder entweichen konnte, oder aber aus falsch verstandener Tierliebe freigelassen wurde. Nun bedroht seine Existenz die Existenz der heimischen Nerze.

Der Fischotter (Lutra lutra)

Der Fischotter (Lutra lutra), ebenfalls aus der Familie der Marder. Er liebt schnell fließende, klare Gewässer (Foto: cc-by-sa Bernard-Boehne@wikipedia.de)
Fischotter

Otter sind exzellente Taucher und Schwimmer. Sie leben hauptsächlich vom Fischfang. In Deutschland waren sie bestandsbedrohend dezimiert. Nur durch strengen Schutz und wasserbauliche Verbesserungen konnte sich die Art erholen.

Europäische Wildkatze

Die Europäische Waldkatze ist sehr scheu und meidet den Menschen. (Foto: cc-by-sa Schorle @wikipedia.de)
Europäische Wildkatze

Die Europäische Waldkatze (Wildkatze, Felis silvestris silvestris) hat nichts mit unserer Hauskatze zu tun. Als Stammform der Hauskatze gilt die afrikanische Falbkatze (Felis silvestris lybica) , die wenig aggressiv und insgesamt zierlicher ist.

Phantastische Eigenschaften eines Phantasiegeschöpfs

Männlicher Wolpertinger oder Bayrisches Hasenhirschchen (Raurackl bavarensis) (cc-by-sa Rainer Zenz@wikipedia.de)
Albrecht Dürer Kupferstich "Wolpertinger"

Ein wehrhaftes Raubtier der „Hasenartigen“, was bisher nur extrem selten zu Gesicht zu bekommen war. Es ist sogar zu befürchten, dass es bereits ausgestorben ist. Der Wolpertinger kann wegen des schweren Geweihs nicht so gut laufen wie der Feldhase. Er kann sich aber mit seinen Reißzähnen sogar erfolgreich gegen Füchse verteidigen. Mit dem Geweih veranstalten die Männchen im Winter Kommentkämpfe um die Weibchen. Das Geweih der Männchen ähnelt dem Geweih eines Rothirsches, während das der Weibchen mehr dem Gehörn einer Gämse ähnelt. Sogar den Werwölfen können sich die Tiere durch lautes Aufflattern wirkungsvoll entziehen. Allerdings schaffen die Männchen wegen ihres größeren Gewichts nur kurze Flugstrecken (Zeichnung v. Albrecht Dürer)