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Lexikon

Stillgewässer in Deutschland


Wir haben über Wasser allgemein gesprochen. Wir haben die Binnengewässer, und zwar die fließenden Süßwasserkörper erforscht. Und  heute schauen wir uns einmal unsere heimischen Süßwasser-Stillgewässer genauer an. Sie sind ein Paradies für Naturdetektive! Alles, was man braucht, sind ein Kescher, ein Eimer, ein Einweckglas und vielleicht ein Vergrößerungsglas, damit man alle Fänge genau betrachten kann.

Solche Wiesentümpel auf Viehweiden werden häufig durch Weidevieh zerstört, bzw. durch die Hufe in Morastlöcher verwandelt, wie hier ansatzweise am rechten Rand bereits zu sehen. Artenreiche Lebensgemeinschaften gehen darin zugrunde. (Foto: cc-by-sa Christian Fischer @wikipedia.de)
Tümpel auf Viehweide
Dieser künstliche Feuerlöschteich ist 3 Jahre alt und noch nicht fertig in seiner biologischen Entwicklung. Faszinierend zu sehen, was jedes Jahr sich an Arten neu einstellt. Solche Kunstbiotope können wertvolle Ersatz-
lebensräume darstellen und sich auch weiterentwickeln. (Foto: natdet-HU)
Künstlicher Feuerlöschteich
Ein verlandender Tümpel. Er wächst vom Rand her zu und die Uferzone verschwimmt immer mehr. Ursachen könnten sein: entweder der Grundwasserpegel - und mit ihm der Wasserspiegel - sinkt oder es gibt akut zu wenig Niederschläge. (Foto: cc-by-sa Uwe H. Friese @wikipedia.de)
Verlandender Waldtümpel

Wasser schafft viele Lebensraumtypen

Stillgewässer (auch Stehgewässer oder stehende Gewässer) gehören zu den Oberflächengewässern der Binnengewässer und unterscheiden sich von den Fließgewässern - wie der Name schon nahelegt - dadurch, dass sie nicht fließen. Sie haben keine nennenswerte Strömung, höchstens eine Zirkulation. Meist haben größere Seen zwar Zu- und Abflüsse, aber die machen sich nicht als Strömung bemerkbar. In der Biologie beschäftigen sich hauptsächlich die Limnologen mit der Ökologie stehender Gewässer. Die Limnologie (griech. limne „See“) ist die Wissenschaft von den Binnengewässern (im Binnenland, im Inland befindlich) als Ökosystem, deren Struktur, Stoff- und Energiehaushalt und biologisch-ökologische Struktur und Funktion sie erforscht.

Der Graureiher (Ardea cinerea) fischt regelmäßig auch in Kleingewässern, sehr zum Entsetzen etlicher Goldfischteich-Besitzer, die um ihre kostbaren Kois fürchten müssen. Seine Beute sind Fische und Amphibien. (Foto: cc-by-sa Lukasz Lukasik @wikipedia.de)
Graureiher, im Wasser watend
Daphnia pulex oder "Wasserfloh" (Mikroskopauf-
nahme) sind mit Mückenlarven ein wesentliches Bindeglied in der Nahrungskette von Stillgewässern. Sie fressen Algen und werden selbst von einer Vielzahl anderer Wasserbewohner gefressen. (Foto: cc-by-sa Paul Hebert @wikipedia.de)
Mikroskopaufnahme eines Wasserflohs
Wasserskorpione sind faszinierende Tiere. Ihren langen Stachel benötigen sie aber nicht zum Stechen, sondern zum Atmen. Er ist ein Atemrohr, denn sie benötigen Luftsauerstoff. Mit den Scherenarmen erbeuten sie auch Fische. (Foto: cc by sa James Lindsey @wikipedia.de)
Wasserskorpion

Kriterien zur Unterscheidung von Stillgewässern sind deren Größe, die Tiefe, die Wasserführung sowie die Entstehungsweise. In Bezug auf die Tiefe unterscheidet man zwischen:

Seen ( „Binnensee“), auch künstliche Stauseen, sind Stillgewässer, die über eine ausreichende Tiefe von 8-10 m verfügen, damit sich eine Temperaturschichtung entwickeln kann, die über längere Zeit bestehen bleibt und nur wenige Male pro Jahr umgeschichtet werden kann. Pflanzenbewuchs ist nur im Uferbereich (im Litoral) möglich.

Flachgewässer, sind Stillgewässer, deren Wasserkörper häufig umgeschichtet wird (Wasserzirkulation), weil sie eine geringe Tiefe aufweisen. Dazu zählen :

  • Weiher sind Flachwasserseen, die nicht austrocknen. Es gibt kleine und auch größere Weiher.
  • Tümpel sind flache, manchmal periodisch austrocknende Wasseransammlungen mit natürlicherweise stark schwankenden Wasserständen. Sie können natürlichen oder menschlichen Ursprungs sein.
  • Lachen, Laken, Pfuhle oder Pfützen sind flach und episodisch (gelegentlich) wasserführend (z.B. bei Starkregenereignissen).
  • Teiche (auch Fischteiche) sind künstliche Gewässer, deren Wasserstand regulierbar ist und voll abgelassen werden kann.
  • Sölle sind eiszeitlich entstandene abflusslose Weiher.
  • Altarme, Altwasser sind verlandende Schleifen des Flusslaufs und nur noch bei Hochwasser mit dem Fluss verbunden.

Klassifizierung der Stillgewässer

Stillgewässer können auch aufgrund der Größe unterschieden werden, wobei die Begriffe im regionalen Gebrauch verschwimmen. Allgemein gebräuchliche Kategorien sind: Kleinstgewässer wie Pfützen, Lachen, etc. sind kleiner als ca. 1 m². Kleingewässer (Tümpel, Teiche, Kleinweiher) haben eine Oberfläche, die zwischen ca. 1 m² und ca. 1 ha groß ist. Großgewässer, zu denen die Seen und die größeren Weiher gehören, sind größer als 1 ha.

Libellen, hier mit blauem Hinterleib ein männliches Exemplar der Plattbauchlibelle (Libellula depressa), veredeln mit ihrer Anwesenheit jedes noch so kleine Stillgewässer. Sie im Flug zu beobachten ist ein Genuss. (Foto: natdet HU)
Plattbauchlibelle Männchen Portrait eines Grasfroschs
Klein- und Kleinstgewässer sind bevorzugte Brutgebiete für Amphibien. Kaulquappen lieben ruhige Verhältnisse und mögen keine starke Strömung, weil sie mit ihrem Ruderschwanz keine kraftvollen Schwimmer sind. (Foto: D. Stentenbach, BfN)
Stockenten
Stockenten. Das Märchen vom Däumling, der mit den Gänsen reist - ist wahr: Fisch-, Amphibien-, und Schneckeneier - und anderes Getier reisen als blinde Passagiere im Gefieder der Wasservögel mit und besiedeln so neue Unterwasserwelten. (Foto: natdet HU)

Die Lebensgemeinschaften von Stillgewässern sind interessant!

Auch Klein- und Kleinstgewässer bergen eine Fülle von Lebensgemeinschaften. Sogar in Spurrillen auf Waldwegen gibt es Interessantes zu entdecken. Beispielsweise Mückenlarven oder sogar Kaulquappen des Feuersalamanders. Die Salamanderweibchen vertrauen bei der Eiablage in diesen nicht ständig wasserführenden Kleinstgewässern darauf, dass der Wasserspiegel ein paar Monate hält, bis die Kleinen die Kiemen zurückgebildet und eigene Lungen entwickelt haben, um den austrocknenden Miniteich verlassen zu können. Vorteil dieser extremen und auch gefährlichen Anpassung ist: In Pfützen gibt es keine Fressfeinde - wie Fische, Gelbrandkäfer und räuberische Libellenlarven. Und hast du gewusst, dass es richtige Süsswasserpolypen mit Tentakeln gibt, oder Wasserskorpione  und Wasserspinnen (Argyroneta aquatica), die vollständig im Wasser leben und jagen, und sich dafür ein Unterwassernetz bauen, in das sie Luftblasen zum Atmen hineinschleppen?

Köcher-fliegenlarven haben ein geniales Versteck! Ihre Behausung haben sie sich selbst zusammengeklebt aus allem, was sich findet: z.B. kleine Zweigstücke. (Foto: cc-by-sa Martin Fischer@wikipedia.de)
Köcherfliegenlarve
Libellenlarven sind Räuber und leben verborgen im Mulm des Bodengrunds. So erbeuten sie ihre Nahrung: Insekten, Kaulquappen und sogar kleine Fische. (Foto: cc-by-sa André Karwath@wikipedia.de)
Libellenlarve
Diese Feuersalamanderlarven wachsen in einer winzigen Sickerwasserstelle heran, die in der Jahresmitte regelmäßig austrocknet. Bis dahin müssen ihre Lungen fertig entwickelt und die Kiemen rückentwickelt sein. (Foto: natdet HU)
Feuersalamanderlarve
Welcher Artenfamilie gelingt es besser, auch noch die allerkleinsten Stillgewässer zu besiedeln?
A oder B oder C - nur eine Antwort ist richtig.
A den Fischen
B den Amphibien
C allen beiden gleich gut

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Was sind Eiszeiten?

Verlängerte Rheinmündung in den Bodensee. Der Bodensee ist zwar Deutschlands größtes Binnengewässer und durch die Würm-Eiszeit entstanden, aber er ist im klassischen Sinne kein Stillgewässer. Mitten durch ihn hindurch fließt der junge Rhein. Deutlich sieht man das lehmig-graue Flusswasser im klaren Seewasser. (Foto: cc-by-sa Thurnher Filmproduktion Cinedoku @wikipedia.de)
Luftaufnahme vom Rheineinlauf in den Bodensee

Wie die Eiszeiten entstehen ist bis heute nicht endgültig zu erklären. Im Allgemeinen werden sie mit Sonnen-aktivitätsschwankungen in Verbindung gebracht. Aber es müssen weitere Faktoren dazukommen. Im Pleistozän fanden eine Reihe von Vereisungen globalen Ausmaßes statt. Das "Obere Pleistozän" (Jungpleistozän) umfasst eine Warmzeit (Eem-Warmzeit) und eine darauf folgende Vereisungsphase, die letzte Kaltzeit. Ihre Zeugnisse in Form von Endmoränen, Findlingen und Söllen sind auch heute noch überall in der Landschaft zu finden. Auch Nord- und Ostsee sind wesentlich durch sie geprägt. Geographisch wird im deutschen Raum unterschieden: Würm-Kaltzeit (Alpen und Alpenvorland) und Weichsel-Kaltzeit (Norddeutschland und Skandinavien). Die letzte Eiszeit endete vor ca. 15.000 Jahren. Seitdem - so nimmt man an - befinden wir uns in einem Interglacial, einer Warmzeit.

Wie kommt das Loch in die Erde?

Söll an der B 193 b zwischen Penzlin und Peckatel. (Foto: cc-by-sa DLiebisch @wikipedia.de)

Toteislöcher entstehen durch große Bruchstücke des Gletschereises, die durch den langsam fließenden Gletscher in den Untergrund aus Geröllschutt eingewalzt wurden. Nach Abtauen des Gletschers blieb meterhoch Geröllschutt und Lehm zurück. Allmählich tauten auch die Eisklumpen, die darin verborgen lagen und hinterließen ein kompaktes Loch, ein Söll.

Typische Fischarten der kleinen Stillgewässer

Das Moderlieschen (Leucaspius delineatus) ist ein typischer Fisch größerer Tümpel und Weiher. Allerdings stellt es größere Ansprüche an Wassertemperaturen und Sauerstoffverfügbarkeit. (Foto: cc-by-sa Michael Joachim @wikipedia.de)
Moderlieschen
Der Neunstachlige Stichling hat eine erstaunliche Toleranz gegenüber schlechten Wasserverhältnissen. Stichlinge bauen zur Laichzeit aus Pflanzenmaterial ein Nest und zeigen ein komplexes Brutpflegeverhalten - übrigens nur die Männchen! (Foto: Piet Spaans (pd))
Neunstachliger Stichling
Die Karausche (Carassius carassius) gilt als die Stammform unserer Goldfische. Sie ist ein kleiner „Karpfenartiger“ und ist regelmäßig in Kleingewässern zu finden. (Foto: cc-by-sa Viridiflavus_Carassius @wikipedia.de)
Karausche

Kleine Stillgewässer können sehr warm und die Sauerstoffsättigung sehr gering werden, vor allem, wenn sie nicht durch Bäume beschattet sind und sie keinen Tiefenwasserbereich haben. Fische müssen daran angepasst sein, sonst sterben sie. Einigen spezialisierten Arten gelingt das Kunststück, selbst kleine Tümpel zu besiedeln.