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Lexikon

Rückkehr der Biber

Die Heimkehr der Holzfäller – Biber als Landschaftsgestalter

Es gibt kein ein anderes Tier in Deutschland, das so konsequent die Landschaft nach seinen eigenen Vorstellungen gestaltet, wie der Europäische Biber (Castor fiber). Zu diesem Zweck zerlegt er fachgerecht sogar größere Bäume, indem er die Stämme kreisrund umnagt, bis der Baum stürzt. Dabei kontrollieren sie geschickt sogar die Fallrichtung. Dann werden die Äste und Zweige fachgerecht zerlegt, vom Stamm getrennt und für den Dammbau verwendet. Außerdem bauen Biber meist direkt am Ufer eine Biberburg. Das ist ein Reisig- und Ast-Haufen, der beträchtliche Ausmaße haben kann. Den Eingang in die Burg graben sie mit ihren kräftigen Klauen von unten her. Dabei sorgen sie dafür, dass der Eingang unsichtbar unter Wasser in der Uferwand liegt. Mit einer stetig wachsenden Dammanlage sorgen Biber außerdem dafür, dass durch den Rückstau sich der Wasserstand immer weiter erhöht. So kann es bei kleinen Fließgewässern zu einer seeartigen Erweiterung kommen. Es besteht kein Zweifel: Durch seine rastlose Bautätigkeit verändert sich die Landschaft um ihn herum, wobei er die Lebensverhältnisse für sich - sein Habitat - ständig optimiert und anpasst. Das sind vorausschauende, zukunftsgerichtete Handlungen und Fähigkeiten, die normalerweise dem Menschen zugeschrieben werden. Diese vom Biber neu geschaffenen Lebensräume bieten dann auch anderen Tieren Möglichkeiten, sich zu entfalten.

(cc-by-sa Steve @wikipedia.de) Der Kanadische Biber (Castor canadensis) ist dem Europäischen sehr ähnlich. Er hat rötlicheres Fell und ist etwas größer (bis zu 1 Meter incl. Schwanz). Zu erkennen sind die rötlichen Nagezähne, der breite, haarlose Ruderschwanz und die Schwimmhäute zwischen den Zehen.
Kanadischer Biber (Castor canadensis)
(cc-by-sa Nadine Klose @wikipedia.de) An unverbauten Flussufern stört die Aktivität von Bibern am wenigsten. Leider sind solche ungestörten Flussabschnitte selten geworden, weil der Mensch zusammen mit dem Biber um die gleichen Lebensräume konkurriert, hauptsächlich für Straßen- und Gewässerausbau.
Angenagter Stamm eines stattlichen Nadelbaums

Lebensweise des Bibers

Biber sind gesellige Tiere und leben in größeren Familienverbänden. Sie leben stets am und im Wasser größerer Seen oder kleiner und großer Fliessgewässer. Wichtig sind für sie Auenbereiche mit hohem Weichholzanteil (wie Birken, Erlen, Pappeln, Weiden). Sie gehören in die Säugetierordnung der Nagetiere (Rodentia) und sind deren größte Vertreter (bis 80 cm Länge) in Deutschland. Biber leben konsequent vegetarisch, wobei sie neben Baumrinde und Grünzeug auch bevorzugt Faserholz verwerten. Nicht viele Tierarten sind in der Lage, derart hartes Pflanzenmaterial (Cellulose) zu verdauen. Bakterien helfen den Bibern bei der komplizierten Verdauung solch harter Brocken. Für die Biber hat das den Vorteil, dass sie auch im Winter, wenn es keine frischen Triebe und kein Blattgrün gibt, ausreichend Nahrung finden.

(cc-by-sa Hasse @wikipedia.de) Von Bibern gefällte Bäume können eine beträchtliche Größe besitzen. Sie können das Fallen des Stammes so beeinflussen, dass er in die gewünschte Position fällt.
Gefällte Birke
(cc-by-sa Per Harald Olsen @wikipedia.de) „Meister Bockert“: Von der Fast-Ausrottung zur Wiederansiedlung der Biber. Seine Bauwerke prägten unser Leitbild natürlicher Auen. Seine Forderpfoten kann er geschickt und fast wie Hände nutzen.
Biber am Wasser

Nutzen und Schaden des Bibers

Es ist eine schlechte menschliche Angewohnheit: Was ihm in unserer Umwelt von Nutzen ist, nimmt er sich einfach, und was ihm schadet, versucht er mit Stumpf und Stiel auszumerzen. Das wurde auch den heimischen Biberbeständen in Deutschland zum Verhängnis. Einerseits wird Meister Bockert wegen seines Fleißes verehrt. Andererseits wurde er aber auch wegen seines wasserdichten und weichen Fells und seines schmackhaften Fleischs gnadenlos gejagt, wobei es wegen seiner Standorttreue nicht besonders schwer war, ihn zu erbeuten. Er wurde aber auch als Schädling verfolgt, weil er an den Gewässern oftmals die Pläne der Menschen durchkreuzte, die Dämme, Häuser und Trinkwasserleitungen bauten und Mühlen- oder Bewässerungsgräben zogen, wobei die Biber störten. Das führte nach und nach dazu, dass in Europa Biber immer seltener wurden. Ein letztes Refugium für die letzten deutschen Biber war in den 1980iger Jahren das UNESCO-Biosphärenreservat „Mittlere Elbe“, welches heute fast die gesamte Flusslandschaft der Mittelelbe in Deutschland umfasst. Der Biber steht heute unter strengem Artenschutz und inzwischen gibt es an vielen geeigneten Stellen Deutschlands Wiederansiedlungsprojekte.

(cc-by-sa Juliux_ Beaver @wikipedia.de) Durch ihre Bautätigkeit verwandeln sie nach und nach immer mehr Gebiete in aquatische Landschaften wie hier in diesem Wald, den sie mit einem Damm überstauen. Hier tut sich unerwartet eine schwierige Frage auf: Sind die Dämme nun künstlich (artifiziell) oder natürlich? Wir bringen Künstliches nur mit uns Menschen in Verbindung
Biberdamm im Wald
(cc-by-sa Tocekas @wikipedia.de) Biber sind das ganze Jahr aktiv. Sie fressen im Sommer meist Grünpflanzen, und im Winter begnügen sie sich mit Rinde und Cellulose (Holz). Sie haben orangegelbe Nagezähne die ständig nachwachsen und einen stark abgeflachten, unbehaarten Schwanz.
Bieber am Wasser im Winter
(cc-by-sa B.gliwa @wikipedia.de) Biberburgen können respektable Größen aufweisen, wenn sie von mehreren Familien desselben Clans bewohnt werden. Der Clan kann 20 Tiere und mehr umfassen. Aber junge Tiere wechseln schon mal die Burg und gründen anderswo eine eigene Familie mit Nicht-Familienmitgliedern.
Bieberburg

Erfolge im Naturschutz

Im Oktober 1981 ließ die Forstbehörde Rheinland im Hürtgenwald in der Nordeifel die ersten von insgesamt zwölf Bibern frei. Damit war der entscheidende Schritt eines in mancherlei Hinsicht bemerkenswerten Wiederansiedlungsprojekts getan. Nun leben heute wieder rund 300 Biber in der Nordeifel und den angrenzenden Tiefländern – Tendenz zunehmend. Dass das Wiederansiedlungsprojekt Biber in der Eifel ein derartiger Erfolg wird, war vor knapp 30 Jahren nicht einmal ansatzweise abzusehen. Auch am Rhein haben sich nun wieder Biber angesiedelt. Diese Wiedereinbürgerungserfolge in den vergangenen Jahrzehnten haben dazu geführt, dass der Grad der Gefährdung in der Roten Liste für Tiere auf nur noch „Gering gefährdet“ heraufgestuft werden konnte. Meister Bockert geht es also wieder gut in Deutschland.

Erfüllt die Interaktion des Bitterlingweibchens, indem es die Eier in die Muschel hineinlegt, nun die Kennzeichen von
A oder B oder C - nur eine Antwort ist richtig.
A Einer echten Symbiose
B Einer Probiose
C Von einem Parasitismus

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Bisam und Nutria sind keine Verwandten des Biber

(cc-by-ca, Christian R. Linder @wikipedia.de) Die aus Südamerika stammende, bei uns eingebürgerte Biberratte oder Nutria sieht einem Biber ähnlich. Dabei ist sie keines von beidem, was der Name suggeriert; weder eine Ratte, noch ein Biber. Sie hat im Gegensatz zum Biber einen runden, sehr langen und nahezu unbehaarten Schwanz.

Nutria und noch mehr der Bisam sind wegen ihrer Wühltätigkeit gefürchtet. Deiche an großen Flüssen müssen daher regelmäßig auf ihre Unversehrtheit untersucht werden. Nutria und Bisam graben ihre verzweigten Bruthöhlensysteme oberhalb der Wasserlinie auch in Deiche und durchlöchern sie. Immerhin sind diese Löcher recht gut zu erkennen. Sie bauen aber - anders als die Biber - keine Wasserbauwerke, um ein Gewässer anzustauen. Nutrias sind zwar den Bibern sehr ähnlich, jedoch sind sie nicht näher verwandt miteinander. Die große Ähnlichkeit ist bedingt durch die ähnliche Lebensführung, da sie ebenfalls semiaquatisch (zur Hälfte im Wasser) leben und Vegetarier sind, wie die Biber auch. Nutria sind mit max. 65 cm Körperlänge (ohne Schwanz) auch kleiner und leichter als Biber.

Auch der Bisam ist keine Ratte

(Foto: US_fws_gov_pd) Ähnliche Lebensweise führt häufig zu ähnlichem Aussehen, wie hier zwischen Bisam, Biber und Nutria. Man nennt diese Anpassung Konvergenz.
Bisam im Schlick spiegelnd

Die Bisamratte (oder der Bisam) lebte ursprünglich in den Feuchtgebieten Nordamerikas (USA und Kanada). Die Bezeichnung „Ratte“ ist hier irreführend, weil der Bisam nicht zu den Ratten gehört. Sie wird ungefähr 35cm groß (ohne Schwanz), der etwa 20-25 cm lang ist. Auch sie wurden wegen ihres schönen Fells bei uns auf Pelztierfarmen gehalten. Trotz ihrer Ähnlichkeit sind weder Bisam (Wühlmausartige), Nutria (Meerschweinartige) und Biber (Biberartige) näher miteinander verwandt. Nutria und Bisame sind bei uns in Europa „Neubürger“ (Neozoen), aber mittlerweile fest etabliert im Ökosystem.

Gut zu wissen!

  • Konvergenz: Gleichartige Entwicklung unterschiedlicher Tier- und Pflanzenarten bei gleichartigen Lebensbedingungen
  • Aquatische Lebensweise: Leben im Wasser
  • Semiaquatische Lebensweise: Lebensweise teils im Wasser, teils an Land
  • Ökosystem: Biozönose und Biotop bilden zusammen das Ökosystem
  • Biozönose: Gemeinschaft aller tierischen und pflanzlichen Organismen eines Lebensraums
  • Biotop: Lebensraum mit lebender und unbelebter Ausstattung
  • UNESCO-Biosphärenreservat: Eine Schutzkategorie der UN (United Nations), um schützenswerte Landschaften dauerhaft zu erhalten, zu entwickeln und menschliche Bewirtschaftung naturverträglich zu fördern