Bundesamt für Naturschutz BfN

Hauptbereichsmenü



Lexikon

Von Märchen, Sagen und Wesen des Waldes


Der Wald als Stoff für Märchen und Sagen. Welche Märchen kennst du, in denen der Wald eine wichtige Rolle spielt? Warum der Wald in unserer Vorstellung oft als finster und unheimlich dargestellt wird und welche Rolle Bäume in anderen Kulturen spielen, erfährst du hier.

Sagenumwobener Wald – Der Wald als Vorlage für Märchen

Licht und Schatten im Wald (Foto: Pixfit / pixelio.de)
Licht und Schatten im Wald
Fliegenpilz (Foto: Torsten Rempt / pixelio.de)
Fliegenpilz

Viele Märchen und Geschichten ranken sich um den Wald.

Bei Hänsel und Gretel zum Beispiel, versuchen die Eltern die Geschwister in den Wald zu führen, so dass sie sich dort verirren und niemals wieder zurückfinden.

Auch Rotkäppchen muss durch den finsteren Wald, um der Großmutter Kuchen und Wein zu bringen.

Der Mensch war schon immer sehr eng mit dem Wald verbunden. Der Wald liefert dem Menschen Feuer- holz und Holz zur Herstellung von Werkzeugen, Bau- material, Möbeln und Papier.

Früher hat man sich noch im Wald mit allem selbst versorgt. Frauen und Kinder gingen in den Wald, um dort Beeren, Früchte und Heilkräuter zu sammeln. Die Bauern haben ihr Vieh zur Waldweide in den Wald getrieben. Dort fand es ausreichend Eicheln, Bucheckern, Kräuter, Knospen und Pilze zum Fressen.

Wie sind die Sagen und Märchen entstanden?

(Foto: Harry Hautumm / pixelio.de)
Waldgeister (Foto: Volker Innig / pixelio.de)
Waldgeister
knorriger Hainbuchenstamm (Foto: cc-by-sa Lebrac@ wiki- pedia.de)
knorriger Hainbuchenstamm
mächtiger Buchenstamm (Foto: W.J. Pilsak@wiki- pedia.de)
mächtiger Buchenstamm

Früher waren die Ortschaften umschlossen von lauter Wald, heute hingegen ist es umgekehrt:     der Wald ist nun umschlossen von menschlichen Siedlungsgebieten, Feldern, Wiesen und anderen, vom Menschen genutzten Flächen.

Der Wald war vielen Menschen sehr unheimlich. Denn einige Tiere machen schaurige Geräusche, die die Menschen nicht zuordnen konnten. Sie dachten es wären Geister oder andere unheimliche Wesen, die dort ihr Unwesen treiben und ihnen auflauern würden. Auch Räuber, die Reisende im Wald über- fielen, trugen dazu bei, dass viele Schauerge- schichten erzählt wurden.

Vieles beruhte damals auf Unwissenheit. Die Leute versuchten sich alles, was sie nicht begreifen, ver- stehen und nachvollziehen konnten, zu erklären. Auch gab es damals weder Fernseher noch Radio und schon gar kein Internet. Lesen konnten nur die wenigen reichen, gebildeten Menschen der Ober- schicht und natürlich die Geistlichen in den Klöstern.

Nicht nur die Stimmen der Tiere im Wald regten die Fantasie der Menschen an, sondern auch unheim- liche Geräusche. So führten dann zum Beispiel das Knarzen alter Bäume oder das Rascheln der Blätter im Wind zu neuem Märchenstoff, der dann mündlich weiterverbreitet wurde.

Besonders die Schatten und Umrisse alter, knorriger Bäum im Mondlicht ließen viele Leute erschaudern, man sah in ihnen schreckliche Kreaturen und hielt sie für Lebewesen. Tatsächlich gibt es einige Bäume,  die eine besondere Wuchsform aufweisen. Lies dazu auch die Infokästen am rechten Rand.

Mystische Bäume können unter anderem sein: die Trauerweide, die mächtige Eiche, die aufgrund ihrer Größe und ihres Alters, das sie erreichen kann, als Sinnbild für die Ewigkeit steht.

Hast du vielleicht auch schon einmal solch einen Baum gesehen?

Anders als in Deutschland, wo die meisten Geister des Waldes als bösartig betrachtet werden, gibt es in anderen Kulturen auch sehr viele gutmütige Fabelwesen und Waldgeister.

Heilige Bäume und Geister in Asien

Blätter eines Bo-Baumes (Foto: cc-by-sa Eric Guinther@wikipedia.de)
Heiliger Baum (Foto: William Pfeifer@wikipedia.de)

Thailand ist das Land des Lächelns und die Welt  der Baumgeister. Hier sind Bäume nicht einfach nur Bäume, sie sind Wesen mit einer Seele. In Ihnen wohnen die sogenannten „Phi ton mai“ Geister.

Ob in einem Baum eine Seele anwesend ist, wird von buddhistischen Mönchen bestimmt. Sie entscheiden also darüber, ob ein Baum gefällt werden darf oder nicht.

Es kam sogar schon einmal vor, dass ein Straßenbau-Projekt lahm gelegt wurde, weil die Bäume in diesem Gebiet alle eine Seele hatten.

Man erkennt die Unantastbarkeit eines Baumes an den vielen bunten Tüchern, die um den Stamm gewickelt sind. Außerdem findet man am Fuße des Baumes oft Tempelhäuschen und Opferschalen.

In Indien gibt es einen bestimmten heiligen Baum: den Bo-Baum. Er spielt im Buddhismus und im Hinduismus eine große Rolle. Er wird auch der   „Baum der Schöpfung“ genannt. Durch seine Heiligkeit wird der Bo-Baum unsterblich. Die ältesten Bäume wurden nach Sagen und Erzählungen vor über 2000 Jahren gepflanzt.

Es ist streng verboten den Bo-Baum zu fällen oder Teile von ihm als Brennholz zu verwenden. Sollte es doch jemand wagen und damit die Götter verärgern, wird das Unglück über ihn und seine Familie kommen, heißt es.

In jedem indischen Dorf wächst in der Nähe von Tempeln ein Bo-Baum. Um dort Sitzungen und Medi- tationen abzuhalten sind um ihn herum Plattformen aus Lehm gebaut.

Es gibt viele verschiedene Arten der Anbetung. An bestimmten Tagen des Monats wird der Bo-Baum in Nordindien zum Beispiel nur von Frauen angebetet. Sie geben dann zum Beispiel Blumen als Opfergabe und gießen Wasser oder Milch auf seine Wurzeln. Dann umrunden die Frauen den Baum genau 108 mal. Dabei wickeln sie ein buntes Tuch um den Stamm und beten. Der Baum verkörpert eheliches Glück und Liebe.

Wie wird der in Indien verehrte Bo-Baum noch genannt?
A oder B oder C - nur eine Antwort ist richtig.
A Baum der Schöpfung
B Baum der Liebe
C Baum der Ewigkeit

zurück

Schon einmal was von Zwieseln gehört?

Zwieselbildung (Foto: cc-by-sa Rolf Gebhardt@wikipedia.de)
Zwieselbildung

Wie ihr sicher schon einmal gesehen habt, haben manche Bäume Gabelungen. Diese Gabelungen heißen Zwiesel.

Diese Zwiesel sind Fehlent- wicklungen der Bäume. Sie treten schon sehr früh auf. Verursacht werden sie durch Beschädigung des Holzes, zum Beispiel durch die Eschen-Zwieselmotte. Die Raupen dieses Nachtfalters fressen die Endknospen der jungen Bäume, ein weiterer Seitentrieb über- nimmt seine Funktion. Zwiesel entstehen aber auch, wenn Wurzelbrut oder Stockloden verwachsen. Wurzelbrut nennt man Pflanzentriebe, die aus Wurzelknospen an oberflächlich wachsenden Wurzeln gebildet werden. Stockloden sind die Triebe, die nach Verlust des ersten Triebes austreiben.

V-Zwiesel

V-Zwiesel entstehen häufig bei Laubbäumen. Die Folgen einer V-Zwieselbildung sind für die Fortswirtschaft erheblich. Die beiden entstandenen Stämme werden von Jahr zu Jahr immer weiter auseinander gedrückt. Durch eindringendes Wasser fängt der Baum an zu faulen. Das wiederum führt dazu, dass bei Frost die einzelnen Stämme auseinander brechen können. Das Holz kann somit nicht mehr als Rohstoff für Möbel oder ähnliches verwendet werden.

Die Blitzrinne

Wenn man durch den Wald wandert, kann man manchmal Bäume entdecken, die große, lange Rinnen oder Spalten im Stamm haben, fast so wie Narben.

Oft kommen diese Rinnen daher, dass ein Baum vom Blitz getroffen wurde. Wenn der Ein- schlag nicht allzu heftig war, er- hitzt sich lediglich das Wasser im Baumstamm, das - wie ihr vom letzten Wochenwettbewerb wisst, entlang des belebten Teil des Stammes fließt. Dieses Wasser erhitzt sich und dehnt sich aus. Und durch diese Aus- dehnung reißt das Holz und ein Riss oder eine Rinne entsteht. Nach einiger Zeit wächst das Holz wieder zusammen und ähnlich wie bei uns Menschen nach einer Verletzung, bleibt eine "Narbe".

Maserknollen an Bäumen

Maserknolle (Foto: cc-by-sa Speifensender@wikipedia.de)
Maserknolle

Neben dem Zwieselwuchs und Blitzrinnen können Bäume auch Maserknollen haben, die sie in der Dämmerung schaurig aussehen lassen.

Diese Maserknollen werden durch ein Bakterium ausgelöst. In den Teilen des Stammes, wo es sich einnistet, löst es ein ungehemmtes Wachstum aus. Dadurch entstehen solche Wucherungen.