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Lexikon

Das Neunauge

Das Neunauge: Fisch des Jahres 2012

Ein Neunauge. Die Kiemenöffnungen an der Seite sind gut zu erkennen. (Foto: Herbert Frei / VDSF).
Ein Neunauge von der Seite.

Kennst du die Geschichte vom "Kleinen Wassermann" von Ottfried Preußler? Darin gibt es einen unheimlichen Fisch, vor dessen vielen Augen der kleine Wassermann schreckliche Angst hat: Das Neunauge. Diesen Fisch gibt es wirklich und er hat tatsächlich einen ziemlich schlechten Ruf. Ein Tier mit neun Augen - das ist ja auch unheimlich, oder?

Dabei kann der Fisch gar nichts dafür, denn genau wie andere Fische hat er nur zwei Augen. Nur: An jeder Seite seines Körpers befinden sich sieben Kiemenöffnungen. Irgend jemand muss diese wohl für Augen gehalten haben und hat dem Neunauge seinen unheimlichen Namen verpasst. Jetzt ist das Tier zum Fisch des Jahres 2012 ausgerufen worden. Da wird es Zeit für die Naturdetektive, sich einmal näher mit ihm zu beschäftigen.

Was ist am Neunauge so besonders?

Sandiger Boden in ruhig fließenden Gewässern - das ist der Lebensraum der Neunaugen-Kinder. (Foto: Thomas Max Müller / pixelio)
Sandbänke im Fluss.

Das erwachsene Neunauge sieht aus wie ein Aal - lang und dünn und ohne Schuppen. Aber es ist nur die kürzeste Zeit seines Lebens erwachsen. Ungefähr fünf Jahre lang bleibt es Kind und lebt als Larve im schlammigen Boden der Flüsse und Bäche. Nur der Kopf der Larve schaut hervor und filtert Kleinlebewesen und Pflanzenteile aus dem Wasser. Davon ernährt sich das Neunaugen-Kind bis zu seiner Verwandlung zum Erwachsenen. Man nennt die Larven des Neunaugen übrigens "Querder". Bei uns gibt es drei verschiedene Neunaugen-Arten: Das Bach-Neunauge, das Fluss-Neunauge und das Meer-Neunauge.

Wenn Fluss- und Meer-Neunauge erwachsen geworden sind, wandern sie mit der Strömung flussabwärts bis zum Meer. Die Meer-Neunaugen schwimmen weiter in tieferes Wasser, während Fluss-Neunaugen im Mündungsbereich der Flüsse bleiben. Bach-Neunaugen sind keine Wanderfische. Sie bleiben in dem Bach, in dem sie geboren wurden. Allerdings lebt diese Art nur ein paar Monate, denn die erwachsenen Tiere fressen nicht und sterben, sobald sie für Nachwuchs gesorgt haben.

Wenn man es streng betrachtet, sind Neunaugen noch nicht mal Fische: Biologen zählen sie zu den wirbellosen "Rundmäulern". Es gibt sie schon seit 500 Millionen Jahren - das war noch vor den ersten Dinosauriern!

Ein Flussneunauge. (Foto: gemeinfrei / wikipedia).
Flussneunauge, Zeichnung.
Das Maul eines Meer-Neunauges. Flussneunaugen haben nur eine einzige Zahnreihe. (Foto: Drow Male / wikipedia)
Maul eines Meerneunauges.

Wie leben erwachsene Neunaugen?

Seit Millionen von Jahren ernähren sich erwachsene Neunaugen vom Blut anderer Wasserbewohner. Sie saugen sich an ihnen fest und raspeln mit ihren spitzen Zähnen die Haut ab. Wenn sie satt sind, fallen sie von ihrem Wirtsfisch ab. Sobald Neunaugen geschlechtsreif sind, bleiben die Fische aber von ihnen verschont, denn dann fressen die kleinen Blutsauger nichts mehr. Sie wandern wieder zurück in die Flüsse, aus denen sie gekommen sind und legen dort ihre Eier ab. Danach sterben sie.

Warum ist das Neunauge Fisch des Jahres 2012?

Solche Wehre machen wandernden Fischen das Leben schwer. (Foto: Maja Dumat / pixelio)
Stauwehr am Fluss.

Eine Fischtreppe (links) leitet die Fische am Wehr vorbei. (Foto: Martin Claus / pixelio.de)
Ruhr mit Wehren und Fischtreppe.

Tiere des Jahres weisen stellvertretend für andere Arten auf Gefährdungen und Besonderheiten hin. Beim Neunauge ist das nicht anders. Als wandernde Fischart ist es ganz besonderen Gefährdungen ausgesetzt. Wenn es zur Laichzeit flussaufwärts wandert, dann machen ihm Stauwehre, Dämme und Begradigungen das Leben schwer. Aus vielen Gewässern ist das Neunauge schon verschwunden, weil bei den Baumaßnahmen Schlupflöcher für die Fische vergessen wurden. Solche Gedankenlosigkeit gefährdet viele wandernde Arten, zum Beispiel auch den Lachs, die Meerforelle und den Aal. Biologen, Fischereiverbände und Naturschützer setzten sich deshalb dafür ein, dass Stauwehre sogenannte Fischtreppen bekommen, über die die Fische wandern können. Und sie machen Vorschläge, wie man den Bau von Deichen durch natürlichen Hochwasserschutz vermeiden kann oder wie Begradigungen rückgängig gemacht werden können. So sollen sich die gefährdeten wandernden Fische in Zukunft auch bei uns wieder vermehren können.

Mehr zu diesem Thema findest du hier.

Wie nennt man die Larven der Neunaugen?
A oder B oder C - nur eine Antwort ist richtig.
A Queller
B Querder
C Quader

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