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Lexikon

Lebensgemeinschaft Flussufer


Natürlicher Flusslauf in Schweden. (Foto: MG-k / wikipedia)
Mäandernder Fluss aus der Luft.

Dort, wo Lebensräume aneinander grenzen, leben besonders viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Man spricht von einer großen "biologischen Vielfalt". Beispiele dafür sind die Ufer von Flüssen und Seen, die Meeresküste, Hecken und Waldränder. Diese Lebensräume beherbergen nämlich nicht nur diejenigen Tiere und Pflanzen, die sich auf einen Lebensraum spezialisiert haben, sondern auch solche, die verschiedene Lebensräume nutzen - ob zur Nahrungssuche, zur Eiablage oder zur Aufzucht ihres Nachwuchses.

Flussufer: Bedeutsam für die Biologische Vielfalt

Begradigt und befestigt: Der Inn (Foto: Niklas Dehne)
Luftaufnahme vom Rapadelta im Sarek Nationalpark in Schweden.

Am Flussufer begegnen sich Wasser und Land. Ein Flussufer sieht dort, wo der Fluss natürlich verläuft, niemals über längere Zeit gleich aus. Denn der Fluss ist starken Schwankungen unterworfen. Wenn es im Hochsommer kaum regnet, führt er wenig Wasser, im Winter und Frühjahr kann er sogar über die Ufer treten. Man nennt diesen Vorgang "Flussdynamik". Wie sie genau funktioniert, 

kannst du hier lesen.

Die Tiere und Pflanzen am Ufer eines Flusses müssen sich also ganz schön anpassen. Doch vielen Arten gelingt die Anpassung sehr gut - mehr noch: Ohne das ständige Auf und Ab des Wasserspiegels könnten sie nicht überleben. 

Zu den ständig hier vorkommenden Arten muss man noch diejenigen hinzuzählen, die nur zu ganz bestimmten Zeiten am Ufer von Gewässern leben. Dazu gehören bestimmte Amphibien, die nur dann kommen, wenn ein Frühjahrs-Hochwasser genug Pfützen am Ufer hinterlassen hat. In Zeiten der Trockenheit dagegen gelingt es sogar seltenen Orchideenarten, am Flussufer Wurzeln zu schlagen. So sind Arten mit völlig unterschiedlichen Ansprüchen zu verschiedenen Zeiten  Bewohner des selben Lebensraumes.

Welche Arten gehören zur Lebensgemeinschaft Flussufer?

Stellvertretend für viele andere schauen wir uns einige Arten der Lebensgemeinschaft Flussufer genauer an:

Biber und Fischotter

Ein Biber (Foto: cc by sa Stevehdc@wikipedia.de)
Sitzender Biber.
Fischotter (Foto: Templermeister / pixelio)
Fischotter-Portrait.

Gefällte Bäume und zur Burg aufgetürmte Äste machen das Wohngebiet eines Bibers unverwechselbar. Biber sind Pflanzenfresser und ernähren sich von Wasser- und Uferpflanzen, aber auch von Baumrinde. Ihren Nachwuchs bringen sie in ihren Biberburgen zur Welt, deren Eingang immer unter der Wasseroberfläche liegt. Ruhig fließende Seitenarme von Flüssen mit vielen Weichhölzern wie Weiden und Pappeln sind für Biber der ideale Lebensraum.

Fischotter sind auf natürliche Flussufer angewiesen, denn sie brauchen viele Versteckmöglichkeiten. Von diesen Verstecken aus geht der Otter nachts auf Fischjagd. Ein Otterrevier kann bis zu 40 Kilometer Flussufer umfassen. Aber nur, wenn er genügend natürliche Ufer findet, kann der Otter ein Revier besiedeln. Aus diesem Grund ist der flinke Fischjäger bei uns sehr selten geworden, denn dort, wo Steinpackungen die Ufer befestigen, findet er keine Schlupflöcher. "Renaturierte" Flüsse dagegen, die ihren natürlichen Verlauf wiederbekommen und deren Uferbefestigungen abgebaut werden, können wieder Otterreviere werden.

Mehr über den Fischotter kannst du hier lesen.

Eisvogel und Flussregenpfeifer

Ein bunt schillernder Eisvogel. (Foto: cc by sa Lukasz Lukasik@wikipedia.de)
Eisvogel, Nahaufnahme.
Der Flussregenpfeifer ist selten. (Foto: cc by sa Durzan cirano@wikipedia.de)
Flussregenpfeifer, Nahaufnahme.

Der bunt schillernde Eisvogel ist - ebenso wie der Fischotter - ein Bewohner der Uferböschungen. Er jagt in ruhigen und fließenden Gewässern nach frischen Fischen. In lehmigen Steilufern baut er seine Bruthöhle. Die bohrt er mit seinem langen Schnabel bis zu einen Meter tief in den Hang. Dem kleinen Vogel ist die Anpassung an seinen vom Menschen veränderten Lebensraum ganz gut gelungen: Er brütet inzwischen sogar an Gewässern in Stadtparks.

Hier findest du mehr über den Eisvogel.

Der Flussregenpfeifer hat es leider nicht so gut getroffen. Sein eigentlicher Lebensraum sind Kies- und Sandbänke oder flache Ufer der Flüsse. Weil viele Flüsse begradigt wurden, gibt es solche Bänke nur noch in wenigen Gewässern. Der Flussregenpfeifer braucht diese Inseln aber zur Eiablage und für die Nahrungssuche. Häufig sucht er sich deshalb Ersatz - zum Beispiel in Kiesgruben. Diese Lebensräume sind aber oft nicht von Dauer und der Vogel hat das Nachsehen.

Sumpfdotterblume und Silberweide

Sumpfdotterblume (Foto: Volker Inning / pixelio)
Sumpfdotterblume am Gewässerufer.

Sumpfdotterblume und Silberweide sind typische Bewohner von Auwäldern. Auwälder sind Wälder in Flussnähe, die auf regelmäßige Überschwemmungen und einen hohen Stand des Grundwassers angewiesen sind. Die Sumpfdotterblume kann von März bis Juni in Auwäldern und auf Feuchtwiesen ganze Blütenteppiche bilden. Leider ist sie selten geworden, weil Begradigungen und Eindeichen der Flüsse Auwälder und Feuchtwiesen von der Wasserzufuhr abgeschnitten haben. An einigen deutschen Flüssen gibt es aber Bemühungen, dies wieder rückgängig zu machen. So sollen zum Beispiel Deiche zurück verlegt werden, damit die Uferzonen wieder überschwemmt werden können.

Warum sind Otter selten geworden?
A oder B oder C - nur eine Antwort ist richtig.
A Weil es zu wenig natürliche Flussufer gibt.
B Weil sie gejagt werden.
C Weil sie keine Fische finden.

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Dekade der "Biologischen Vielfalt"

Die Vereinten Nationen - also der Zusammenschluss der meisten Staaten der Erde - haben das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 zur "Dekade der Biologischen Vielfalt" erklärt. Aus diesem Grund werden sich auch die Naturdetektive in diesem Jahr besonders mit diesem Thema beschäftigen. 

 

Hier erfährst du mehr über die Biologische Vielfalt!

(Foto: Dieter Haugk/pixelio.de)
Bunte Schmetterlinge