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Lexikon

Epiphyten - Aufsitzerpflanzen

Pflanzen, die auf Bäumen wachsen

(Foto: Eduardo Pacheco cc-by-sa 2.0)
Orchidee auf einem Baum

Epiphyten sind Pflanzen, die auf Bäumen wachsen. Auch viele Orchideen sind Epiphyten. Sie sitzen im tropischen Regenwald hoch oben in den Ästen der Urwaldriesen. Deshalb nennt man sie auch Aufsitzerpflanzen. Aber wie kommen diese Pflanzen an ihre Nährstoffe - ohne Erde?

Leben ohne Erde

Die Verdickungen am Stiel der Orchideen heißen "Pseudobulben". Sie können Wasser und Nährstoffe speichern. (B. Navez cc-by-sa)
Die Verdickungen am Stiel der Orchiden
epiphytisches Moos (gemeinfrei, Tauchgurke @wikipedia.de)
epiphytisches Moos
Die Blätter der Bromelie sind geformt wie ein Trichter. So entstehen winzige Teiche, in denen sich Insekten und Kleinstlebewesen tummeln.(Hanson59 cc-by-sa)
Der Wassertrichter einer Bromelie
Die Knolle am Fuß von Hydnophytum formicarum wird von Ameisen bewohnt. (Foto: Bernard Dupont cc-by-sa 2.0)
Knolle am Fuß der Pflanze
Die Blüte der Kannenpflanze ist eine tödliche Falle. (Foto: gemeinfrei)
Kannenpflanze im Baum

Eine Pflanze benötigt zum Leben Licht, Wasser, Kohlendioxid und Nährstoffe. Normalerweise sind Bäume, Sträucher, Blumen, Kräuter und Gräser mit ihren Wurzeln fest in der Erde verankert. Epiphyten nicht. Sie brauchen keine Erde, denn sie beziehen Wasser und Nährstoffe gar nicht aus dem Boden - vorausgesetzt, die Luftfeuchtigkeit ist hoch und es regnet viel. Wie zum Beispiel im tropischen Regenwald. Dort wachsen die Epiphyten hoch oben in den Baumkronen, wo sie genug Sonnenlicht abbekommen. Auch viele Orchideenarten sind Epiphyten.

Epiphyten können Wasser schnell und in großen Mengen aufnehmen und speichern. Die Orchideen haben dafür extra Verdickungen am Stiel, in denen sie Wasser und Nährstoffe speichern. Diese Verdickungen nennt man "Pseudobulben". Mit ihnen können die Pflanzen auch während trockener Perioden überleben.

Andere Epiphyten: Bromelien

Auch andere Pflanzen haben ihren Wohnsitz in die Bäume verlegt - Bromelien zum Beispiel. Ihre Blätter formen einen Trichter, in dem sich das Regenwasser sammelt. Jeder dieser Trichter bildet eine eigene winzige ökologische Nische: In dem Mini-Teich in der Bromelie leben Insekten und Kleinstlebewesen. Von ihren Ausscheidungen ernährt sich die Pflanze.

Hydnophytum formicarum ist eine Aufsitzerpflanze mit einem besonderen Trick: Sie nimmt Untermieter auf. Dort, wo sie auf dem Baumstamm aufsitzt, bildet sich eine dicke Knolle, in deren Innerem sich viele verschlungene Gänge befinden. In diese Gänge ziehen ganze Ameisen-Kolonien ein, die die Pflanze dann mit Nährstoffen versorgen.

Kannenpflanzen

So harmlos der Name auch klingt: Kannenpflanzen sind echte Killer. Die Epiphyten unter ihnen sitzen auf den Ästen der Urwaldbäume und locken mit süßestem Nektarduft Insekten und Säugetiere an - um sie dann zu verspeisen. Ihre Blüten bilden Fangtrichter, die von innnen spiegelglatt und mit Verdauungssaft gefüllt sind. Wenn ein Tier hineinplumpst, wird es zersetzt - egal, ob Fliege, Spinne oder Maus.

Wie die Mistel den Trick der Epiphyten klaut

Für Bäume ist die Mistel eine echte Plage.(Victor Vizu cc-by-sa)
Mistel in den Ästen eines Baumes

Nicht alle Pflanzen, die auf Bäumen wachsen, sind Epiphyten. Unsere heimische Mistel zum Beispiel ist kein Epiphyt, sondern ein Parasit. Ihre Wurzeln umklammern den Baum und entziehen ihm das Wasser - aber ohne ihm so sehr zu schaden, dass er abstirbt. Dort, wo die Mistel wächst, kann der Baum keine Äste ausbilden, da die Blätter kein Sonnenlicht abbekommen würden. Die Mistel vermehrt sich mit Hilfe ihrer Früchte. Sie werden von den Vögeln gefressen und die Samen mit dem Vogelkot auf Ästen wieder ausgeschieden. Und schon muss sich der nächste Baum mit dem lästigen Plagegeist herumschlagen.

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Steckbrief Epiphyt

(Foto: Tatiana Gerus by Flickr cc-by 2.0)
Roter Epiphy auf einem Baum im australischen Regenwald.

Verbreitung:

Fast ausschließlich in den Tropen

Lebensraum:

Auf anderen Pflanzen, kommen im Wasser und an Land vor

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(Foto: Sixta Görtz)
Blüte der Bienenragwurz

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