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Lexikon

Breitblättriges Knabenkraut

Seltene Orchidee der Feuchtwiesen

(Foto: Chmee2 cc-by 2.0)
Breitblättriges Knabenkraut auf einer Feuchtwiese.

Sie kleidet sich gern in Pink, mag die Sonne und ist ein bisschen zickig, wenn sie Süßigkeiten teilen soll: Die Rede ist nicht von der Kleinen Prinzessin, sondern vom Breitblättrigen Knabenkraut, einer ganz besonderen Orchidee. Besonders ist sie deshalb, weil sie es als einzige heimische Orchidee auf die Liste der "Verantwortungsarten" Deutschlands geschafft hat. Und das will was heißen.

Was sind "Verantwortungsarten"?

Ganz schön pink: Die Blüten des Breitblättrigen Knabenkrauts. (Foto: Bernd Haynold cc-by-sa 3.0)
Pinkfarbene Blüten des Knabenkrauts

Eine "Verantwortungsart" ist eine Tier- oder Pflanzenart, für die Deutschland eine ganz besondere Verantwortung trägt - zum Beispiel, weil diese Art nur in Deutschland vorkommt oder ein großer Teil ihres weltweiten Bestandes in Deutschland lebt. Das ist hier der Fall: Fast ein Drittel aller Breitblättrigen Knabenkräuter, die es auf der Welt gibt, wachsen in Deutschland. Und deshalb müssen wir gut auf die Pflanze aufpassen.

Wo wächst das Breitblättrige Knabenkraut?

Feuchtwiesen sind der Lebensraum des Breitblättrigen Knabenkrauts. (Foto: Bernd Haynold cc-by-sa 3.0)
Breitblättriges Knabenkraut auf einer feuchten Waldwiese
Auch die Schachbrettblume wächst auf Feuchtwiesen. Sie ist sehr selten. (Foto: Rainer Lippert, gemeinfrei)
Schachbrettblume

Das Breitblättrige Knabenkraut wächst an sonnigen Plätzen auf Feuchtwiesen und in Flachmooren. Wenn es im Mai blüht, dann leuchten seine Blüten in knalligem Pink und duften verführerisch nach Nektar. Der Duft lockt vor allem Bienen und Hummeln an. Doch das Knabenkraut ist zickig. Es will zwar bestäubt werden, aber eine Belohnung rückt es nicht raus: Seine Blüten enthalten keinen einzigen Tropfen Nektar. Die Insekten versuchen trotzdem immer wieder ihr Glück - und bestäuben die Pflanze zum Nulltarif.

Gefährdete Feuchtwiesen

Doch trotz dieser cleveren Geschäftsidee hat es die Blume schwer: Feuchtwiesen sind gefährdete Lebensräume. Früher wurden sie trocken gelegt, um daraus Äcker oder Weiden zu machen. Heute passiert das zwar seltener, aber jetzt bringt der Regen den Dünger von den benachbarten Feldern mit. Viele empfindliche Pflanzen der Feuchtwiese können Dünger aber gar nicht vertragen. Sie gehen ein - und mit ihnen verschwinden auch die Tiere.

Lebensraum Feuchtwiese erhalten

Feuchtwiesen sind Lebensraum für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Hier gibt es Rotbauchunken, Braunkehlchen, Feuerfalter und viele andere spezialisierte Arten. Sie alle sind davon abhängig, dass die Feuchtwiesen erhalten bleiben, denn nur dort finden sie ideale Lebensbedingungen. Deshalb kommt der Schutz des Breitblättrigen Knabenkrauts auch anderen seltenen Tieren und Pflanzen zugute.

Ein Braunkehlchen. (Foto: Marek Szcepanek cc-by-sa 3.0)
Braunkelchen auf einem Ansitz
Großer Feuerfalter. (Foto: Jeff Delonge cc-by-sa 3.0)
Großer Feuerfalter
Rotbauchunke. (Foto: Marek Szcepanek cc-by-sa 3.0)
Rotbauchunke in einem Tümpel

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Steckbrief Breitblättriges Knabenkraut

(Foto: Jörg Hempel cc-by-sa 3.0)
Breitblättriges Knabenkraut auf einer Wiese

Verbreitung:
Mitteleuropa, vor allem Deutschland

Lebensraum:
Feuchtwiesen und Flachmoore

Bestäubung durch:
Verschiedene Bienenarten (zu denen auch die Hummeln gehören)

Blütezeit:
Mai

Wuchshöhe:
15 bis 40 cm

Wissenschaftlicher Name:
Dactylorhiza majalis

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(Foto: Sixta Görtz)
Blüte der Bienenragwurz

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