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Lexikon

Schmuckschildkröten


(Foto: gemeinfrei)
Rotwangen-Schmuckschildkröte auf einem Stein im Gewässer

Eigentlich sollte diese Rotwangen-Schmuckschildkröte irgendwo in einem Aquarium sitzen. Aber das tut sie nicht. Im Gegenteil: An vielen Gewässern in Deutschland ist das Reptil aus den USA inzwischen verbreitet - und zum Problem für die Artenvielfalt geworden.

Wie kommt die Schmuckschildkröte ins Wasser?

Gelbwangen-Schmuckschildkröten sind eine Unterart der "Buchstaben-Schmuckschildkröten". (Foto: gemeinfrei)
Zwei Gelbwangen-Schmuckschildkröten am Wasser
An den roten Flecken kannst du die Rotwangen-Schmuckschildkröte gut erkennen. Auch sie gehört zu den Buchstaben-Schmuckschildkröten. (Foto: NoRud cc-by-sa 3.0)

Buchstaben-Schmuckschildkröten aus Amerika wurden bisher häufig im Zoohandel verkauft. Sie sind genügsame Haustiere, die man in einem Aquarium in der Wohnung halten kann. Das wäre ja auch kein Problem - wenn nur nie jemand auf die Idee gekommen wäre, seine tierischen Mitbewohner in der Natur auszusetzen. Die Schildkröten fanden das nicht weiter schlimm und vermehrten sich. Heute gibt es sie an vielen Gewässern bei uns. Doch das ist ein großes Problem: Die amerikanischen Schildkröten fressen massenhaft Larven von seltenen Wassertieren und verdrängen die Europäische Sumpfschildkröte, die sowieso schon sehr selten ist, aus ihrem Lebensraum.

Wie leben die Schildkröten bei uns?

Rotwangen-Schmuckschildkröte und Stockente teilen sich einen Sonnenplatz. (Foto: Jeremy Raff-Reinolds cc-by 2.0)
Rotwangen-Schmuckschildkröte und Stockente auf einem Stein
Sich sonnen ist die Lieblingsbeschäftigung der Schildkröten. (Foto: gemeinfrei)
Rotwangen-Schmuckschildkröte auf einem Stein im Wasser

Schmuckschildkröten verbringen die meiste Zeit des Tages damit, sich zu sonnen. Dazu suchen sie sich einen Stein oder einen Baumstamm im Wasser oder ein sonniges Plätzchen am Ufer. Wenn sie im Wasser auf Nahrunssuche gehen, halten sie vor allem Ausschau nach den Larven von Fröschen, Kröten, Molchen und Fischen, fressen aber auch Wasserpflanzen. Im Frühsommer legen die Weibchen bis zu 20 Eier, die sie von der Sonne ausbrüten lassen. Wenn es im Herbst kälter wird, fallen die Schildkröten in eine Winterstarre. Die dauert bis zum nächsten Frühjahr.

Zu nass und zu kalt

Der Winter bei uns ist für die wärmeliebenden Exoten aus den USA eigentlich zu nass und zu kalt. Deshalb werden Schmuckschildkröten in freier Wildbahn nicht besonders alt. Für die Erhaltung der Art reicht die Zeit aber trotzdem, so dass die Tiere sich in Mittel- und Südeuropa vermehren und immer mehr Gewässer besiedeln.

Warum ist die Buchstaben-Schmuckschildkröten eine "invasive Art"?

Europäische Sumpfschildkröten sind in Deutschland sehr selten. (Foto: gemeinfrei)
Europäische Sumpfschildkröte in einem Gewässer in Südeuropa
Amerikanische Schmuckschildkröten fressen gerne die Larven von Amphibien - wie zum Beispiel die des seltenen Laubfroschs. (Foto: Christian Fischer cc-by-sa 3.0)
Laubfrosch auf Schilf

Weil sie so gefräßig sind und vor allem seltenen Amphibien und Jungfischen nachstellen, bedrohen die Schmuckschildkröten in Europa die Artenvielfalt. Doch nicht nur das: Auch die seltene Europäische Sumpfschildkröte leidet unter den zahlreichen Verwandten aus Amerika, die sie nach und nach aus ihrem Lebensraum verdrängen.

Die Liste der Schlimmsten

Trotzdem werden immer wieder Schmuckschildkröten  von Menschen in der Natur ausgesetzt, weil ihnen die Tiere als Haustier zu lästig, zu groß oder zu alt werden. Doch damit soll jetzt Schluss sein: Die Europäische Union hat die amerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte auf die Liste der schlimmsten "invasiven Arten" gesetzt. Der Handel mit den Tieren ist ab sofort verboten und sie dürfen in Europa auch nicht mehr gezüchtet werden. Wer sie in der Natur aussetzt, wird bestraft.

Mehr zum Thema

Mehr über invasive Tier- und Pflanzenarten findest du im Monatsthema September:

"Eingeschleppt und ausgesetzt"

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Europäische Sumpfschildkröte

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Steckbrief Buchstaben Schmuck-schildkröte

(Foto: gemeinfrei)
Rotwangen-Schmuckschildkröte auf Stein

Familie:
Neuwelt-Sumpfschildkröten

Verbreitung:
Ursprünglich USA, heute auch Europa und Asien

Lebensraum:
Seen, Teiche, ruhige Flüsse mit schlammigen Ufern und Untergrund

Größe:
Bis 30 cm.

Gewicht:
1,5 kg

Nahrung:
Amphibienlarven, Jungfische, Wasserpflanzen.

Anzahl Junge:
Bis zu 20.

Lebensdauer:
30 bis 50 Jahre.

Wissenschaftlicher Name:
Trachemys scripta

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Foto: gemeinfrei)
Waschbär-Portrait

Was sind eigentlich "invasive Arten"? Das erfährst du hier:

Eingeschleppt und ausgesetzt

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