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Lexikon

Schweinswale


(Foto: Sven Gust)
Schweinswal mit Kalb

Bei ruhiger See in einem kleinen Boot auf der Ostsee. Plötzlich ein Geräusch. Es klingt wie ein kurzes, kräftiges "Pfff". Zwei kleine schwarze Rückenfinnen zeigen sich über der Wasseroberfläche und sind schon wieder verschwunden. Schweinswale sind auf der Jagd nach Kabeljau kurz aufgetaucht, um nach Luft zu schnappen.


Schweinswale haben einen runden Kopf und abgeflachte Zähne, während die Zähne von Delfinen spitz sind. (Grafik: Katrin Wollny-Goerke)
Umriss eines Schweinswals und seiner Zähne

Schweinswale oder "Kleine Tümmler" sind die einzigen Wale, die bei uns heimisch sind. Sie kommen in Nord- und Ostsee vor, jagen hier und ziehen hier auch ihre Jungen auf. Obwohl sie ein wenig den Delfinen ähneln, sind sie keine, sondern gehören zu einer eigenen Wal-Familie mit sechs Arten. Wie alle Schweinswale haben auch die Kleinen Tümmler keine lang gezogene Schnauze, sondern einen runden Kopf. Sie gehören zu den Zahnwalen.

Hier kannst du Schweinswale entdecken

Das ist meistens alles, was vom Schweinswal zu sehen ist: Der gebogene Rücken und die kleine dreieckige Finne. (Foto: M.Prinke cc-by-sa)
Rückenflosse eines Schweinswals im Meer
Schweinswale können bis zu 200 Meter tief tauchen und bis zu 10 Minuten unter Wasser bleiben. Meist tauchen sie aber nur wenige Minuten und in flacherem Wasser. (Foto: Florian Graener)
Zwei Schweinswale über Tang
Wenn ein Schweinswal auftaucht, hörst du zuerst das Geräusch, das er beim Atmen mit seinem Blasloch macht. Es klingt wie ein kurzes, kräfiges "Pfft".(Foto: Katrin Wollny-Goerke)
Auftauchender Schweinswal

Schweinswale sind schwer zu beobachten, weil sie oft nur sehr kurz an die Wasseroberfläche kommen. Wenn du jedoch einen gesichtet hast, dann warte ab: Meistens bleiben sie nur wenige Minuten unter Wasser und kommen dann wieder hoch. Die größten Chancen haben Walbeobachter an der Ostsee zwischen der deutschen Insel Fehmarn und den dänischen Inseln oder an der Nordsee vor der Insel Sylt. Hier wurde übrigens im Juni 1999 das erste Schweinswal-Schutzgebiet Europas ausgewiesen. Es gilt als Lieblingsort der Nordsee-Schweinswale.

Schutzgebiet vor Sylt

Vor der Insel Sylt und weiter draußen im Meer haben Wissenschaftler die meisten Schweinswale in der gesamten deutschen Nordsee nachgewiesen. Regelmäßig konnten sie Mutter-Kalb-Paare beobachten oder innerhalb von 10 Minuten bis zu 50 Tiere zählen. Die Schweinswale paaren sich dort, gebären ihre Jungen und halten sich auch mit den Jungtieren besonders gerne dort auf. Das ist ein Zeichen dafür, dass es hier auch besonders viele Beutefische gibt. Das Gebiet ist also besonders wichtig, um Schweinswale zu erhalten und zu schützen.

Extrem selten

In der östlichen Ostsee, also etwa vor Rügen und weiter östlich davon, sind Schweinswale extrem selten. Wahrscheinlich gibt es dort nur noch ungefähr 450 Tiere. Sie gelten als sehr stark bedroht.

Wovon sind die Schweinswale bei uns bedroht?

Trotz der Schutzgebiete sind Schweinswale auch bei uns vielfältigen Bedrohungen ausgesetzt.


Stellnetze wie dieses stellen eine große Gefahr für Schweinswale dar. Hier siehst du einen Dorsch im Netz. (Foto: Katrin Wollny-Goerke)
Dorsch im Stellnetz
Schiffsmotoren machen Lärm. Hier siehst du ein Containerschiff in der Nordsee. (Foto: gemeinfrei)
Foto: gemeinfrei
Beim Neubau von Windkraftanlagen entsteht Lärm. (Foto: Thomas Merck)
Windkraftanlage im Meer
Schweinswal im Forschungszentrum "Fjord og Baelt" auf der dänischen Insel Fünen. (Foto: Fjord og Baelt cc-by-sa 3.0)
Schweinswal wird gestreichelt

Beifang in Fischernetzen

Vor allem jüngere und unerfahrene Schweinswale verfangen sich in den Stellnetzen, mit denen Dorsch und Plattfisch gefangen wird. Je länger die Zeit, in der das Netz im Wasser bleibt, desto größer ist die Gefahr, dass sich ein Schweinswal darin verfängt. In der westlichen Ostsee, wo besonders viele Schweinswale leben und gleichzeitg viele Fischer mit Stellnetzen fischen, kommt es oft zu solchen Unfällen. Allerdings gibt es schon Vorrichtungen, die Warntöne senden, sobald sich ihnen ein Meeressäuger nähert, doch noch längst nicht jeder Fischer verfügt über ein solches Gerät

Unterwasserlärm

Im Meer herrscht ständig Lärm. Schiffe oder Bauarbeiten im Meer verursachen Geräusche, die die Wale stören. Weil Wale sich mit Hilfe von Schall verständigen, orientieren und ihre Beute orten, bedeutet der Unterwasserlärm eine ernstzunehmende Bedrohung. Wird der Krach zu groß, verlassen die Wale ihren Lebensraum. Besonders laute Geräusche können die Tiere sogar verletzen oder töten.

Die größten Krachmacher

Im Auftag des Bundesamtes für Naturschutz haben Wissenschaftler den Lärm in Nord- und Ostsee untersucht und festgestellt: Die Bauarbeiten an den Windkraft-Anlagen und die Schiffsmotoren sind die größten Krachmacher im Meer, sogar in den Meeresschutzgebieten. Besonders schlimm ist der Krach, der beim Neubau von Windkraftanlagen entsteht. Dann werden nämlich mit einer Ramme die Löcher für die Fundamente der Anlagen in den Meeresboden getrieben.

Dieser Lärm ist so stark, dass die kleinen Wale Schäden ihres Gehörs erleiden können. In einem Umkreis von bis zu 20 Kilometern um solch eine Meeresbaustelle herum verlassen die Wale ihre angestammten Plätze. Je mehr Windkraftanlagen entstehen, desto weniger Lebensraum bleibt den Tieren.

Wissenschaftler forschen im Auftrag des BfN an neuen Techniken, die den Lärm verringern sollen.

Gibt es auch Schweinswale in Gefangenschaft?

Schweinswale helfen bei der Forschung. (Foto: Katrin Wollny-Goerke)
Schweinswal wird gestreichelt

Es gibt Forschungseinrichtungen, in denen Schweinswale gehalten werden: Das dänische Fjord- und Baelt-Center in Kerteminde und das niederländische Dolfinarium Harderwijk. Dort kannst du sie beobachten, während sie bei der Schweinswalfoschung „mithelfen“. Die trainierten Schweinswale im dänischen Kerteminde unterstützen die Wissenschaftler bei ihren Untersuchungen zum Hörvermögen der Kleinwale und den Auswirkungen von Unterwasserlärm.

Wie kann man Schweinswale besser schützen?

Auch dieser Schweinswal lebt im Forschungszentrum Fjord og Baelt und hilft den Meeresbiologen, mehr über die Tiere herauszufinden. (Foto: Rene gemeinfrei@wikipedia.de)
Schweinswal im Forschungszentrum Fjord og Baelt

Durch ihre Forschungsarbeit lernen Meeresbiologen die kleinen Meeressäuger immer besser kennen. So haben sie ja zum Beispiel herausgefunden, dass die Wale die Gebiete im Meer, in denen Windanlagen gebaut werden, wegen des Lärms vermeiden. Deshalb haben die Forscher Grenzwerte für Walohren festgelegt und viele weitere Vorschläge gemacht, wie man den Lärm im Meer vermeiden kann. In den Niederlanden haben die Forschungen schon zu wirksamen Schutzmaßnahmen geführt: So dürfen Windanlagen dort nur zwischen Juli und Dezember gebaut werden und nie mehrere Anlagen gleichzeitig.

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(Foto: Patrick Hawks cc-by-sa 2.0)
Buckelwal springt aus dem Wasser

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Steckbrief Gewöhnlicher Schweinswal

(Foto: Avampiretear cc-by-sa 3.0)
Portrait eines Schweinswals

Verbreitung:

Nordatlantik und Ostsee

Lebensraum:
Flache Küstenmeere

Größe:
Bis 2m

Gewicht:
40 bis 60 kg

Nahrung:
Plattfische, Dorsch, Heringe, Makrelen, Sandaale

Anzahl Junge:
Eins pro Jahr

Lebensdauer:
Bis zu 24 Jahre.

Wissenschaftlicher Name:
Phocoena phocoena

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(Foto: gemeinfrei)
Buckelwal unter Wasser

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