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Lexikon

Mimikry und Mimese

Wie Tiere und Pflanzen täuschen und tricksen

Geschickt getarnt: Die Larve einer Laubheuschrecke. (Foto: Thomas Burgard)
Larve einer Laubheuschrecke

Mimikry und Mimese - so heißt Verstecken Spielen in der Natur. Doch wenn Tiere Verstecken spielen, dann geht es um Leben und Tod. Tiere tricksen und tarnen sich, um ihre Feinde zu täuschen. Heuschrecken, die wie Blätter aussehen oder harmlose Schwebfliegen, die an Wespen erinnern, wollen vor allem eines: Nicht gefressen werden. Wie diese tierischen Tricks funktionieren, erfährst du hier.

Was ist Mimese?

Allomimese: Hier siehst du "Lebende Steine", eine Pflanze aus Afrika. (cc-by Bruce@wikipedia.de)
"Lebende Steine"
Phytomimese: Das "Tote Blatt" ist eine Fliegenart. (cc-by-sa Lebrac@wikipedia.de)
"Totes Blatt"
Die Ameisengrille erinnert in ihrem Körperbau und ihrer Farbe ein wenig an Ameisen. Sie lebt in Ameisennestern. Zusätzlich zu ihrer "Zoomimese" kann sie außerdem den Geruch der Ameisen annehmen. (Foto: Gunter Tschuch cc-by-sa 2.5)
Ameisengrille

Wenn sich Lebewesen in ihrem Aussehen und ihrem Verhalten ihrem Lebensraum angepasst haben, nennt man das "Mimese". Lebewesen, die die Mimese beherrschen, sind in ihrem Lebensraum nur schwer zu erkennen. Dabei haben manche Tiere und Pflanzen so raffinierte Methoden entwickelt, dass man die Mimese in drei Kategorien einteilen kann:

Drei Kategorien

Bei der Allomimese sehen Lebewesen wie unbelebte Gegenstände aus. So machen es zum Beispiel die "lebenden Steine", eine Pflanzengattung aus Afrika. Phytomimese nennt man es, wenn Tiere wie Pflanzen aussehen. Viele heimische Heuschreckenarten beherrschen diesen Trick. Besonders gut darin sind die Gespenstschrecken - große Insekten aus den Tropen, die wie Pflanzenteile aussehen. Zu ihnen gehören zum Beispiel die "Wandelnden Blätter" oder verschiedene Stabheuschrecken.

Schließlich gibt es noch die Zoomimese, bei der Tiere die Gestalt von anderen Tieren annehmen, um zum Beispiel unerkannt unter ihnen leben zu können. Es gibt einige Insektenarten, die in Ameisennestern leben, ohne dass die Ameisen sie von ihren Artgenossen unterscheiden können.

Mimikry

Diese Wespen-Schwebfliege täuscht ihre Feinde mit Warnfarben, obwohl sie harmlos ist. (Alvesgaspar cc-by-sa 3.0)
Mimikry
Mit dem Anhängsel über seinem Maul täuscht der Seeteufel seine Beutefische. (Foto: Meocrisis cc-by-sa 3.0)
Seeteufel an Land
Mit ihrem Aussehen lockt die Fliegenragwurz Grabwespen an. (Foto: Bernd Haynold cc-by-sa 3.0)
Fliegenragwurz, Blüte

Bei der Mimikry ahmen Lebewesen andere Lebewesen nach - zum Beispiel, um ihre Feinde zu täuschen oder um Beute anzulocken.

Schwebfliege als Wespe

Die Wespenschwebfliege ist völlig harmlos. Trotzdem wird sie von vielen Vögeln nicht gefressen. Das liegt daran, dass sie mit ihren schwarz-gelben Streifen kaum von einer Wespe zu unterscheiden ist. Im Laufe vieler Generationen hat sie sich so gut angepasst, dass ihre Tarnung fast perfekt ist.

Seeteufel mit Wurm

Der Seeteufel ist ein Fisch, der am Meeresboden auf Beute lauert. Nähert sich ihm ein anderer Fisch, dann reißt er blitzartig sein riesiges Maul auf, und saugt seine Beute hinein. Damit das funktioniert, muss das ahnungslose Opfer dem Jäger sehr nahe kommen. Dafür hat der Seeteufel vorgesorgt: Über seinem Maul hat er ein Anhängsel, das wie ein Wurm aussieht. Dieser "Wurm" lockt hungrige kleine Fische an. Doch statt Nahrung zu finden, enden sie dann selbst als Mahlzeit.

Orchidee als Insekt

Auch Pflanzen betreiben Mimikry. Die Blüte der Fliegenragwurz zum Beispiel sieht aus wie ein Insekt - und kann den Lockduft der Grabwespen-Weibchen so täuschend echt nachahmen, dass männliche Grabwespen den Trick erst bemerken, wenn sie schon auf der Blüte gelandet sind. Die Pollen der Orchidee bleiben am Wespenkörper haften und werden per Luftkurier zur nächsten Blüte gebracht. Bestäubung durch Täuschung - ganz schön clever!


Tödlich giftig: Die Korallenotter, die in Nord- und Südamerika vorkommt. (Foto: LA Dawson cc-by-sa 2.5)
Rot-schwarz gestreifte giftige Korallenotter
Harmlos: Die Rote Königsnatter. (Foto: LA Dawson cc-by-sa 2.5)
Rot-schwarz gestreifte ungiftige Königsnatter

Wie entstehen Mimese und Mimikry?

Dieser Tintenfisch hat sich an seine Umgebung angepasst - ein Beispiel für Mimese. (Foto: Aka cc-by-sa)
Tintenfisch am Meeresboden

Mimese und Mimikry sind Ergebnisse der Evolution - also der Veränderung und Anpassung der Lebewesen über einen langen Zeitraum hinweg. Wer sich am besten an seinen Lebensraum anpasst, wird nicht gefressen und überlebt. So bekommen auch nur die am besten angepassten Lebewesen Nachwuchs. Durch Vererbung wird ihre Anpassung im Laufe der Generationen immer besser. Doch auch die Jäger schlafen nicht: Sie verändern ebenfalls ihr Verhalten und lernen, die "Verstecke" ihrer Beute aufzuspüren. Deshalb ist die Evolution ein ständig fortschreitender Prozess.

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(Foto: Stefan M. Höhne cc-by-sa 3.0)
Australische Gespenstschrecke

Noch mehr über Mimikry kannst du hier lesen:

Mimikry-Spezial

Pflanze oder Tier - bei den Gespenstschrecken kann man schon ins Grübeln kommen. Hier erfährst du mehr über sie:

Zu den Gespenstschrecken

Die Ameisengrille lebt im Ameisennest und frisst die Kinder ihrer Gastgeber. Wieso das Tierchen dabei nicht auffällt, erfährst du hier:

Zur Ameisengrille

Meister im Verstecken

Eine Gespenstschrecke, die "Zweig" spielt. (Foto: Markus Henning cc-by-sa)
Stabheuschrecke
Dieses Insekt heißt "Wandelndes Blatt" und gehört zu den Gespenstschrecken. (Foto: Sandilya Theuerkauf cc-by-sa)
Wandelndes Blatt
Die Achateule ist ein Nachtfalter und ist auf welkenden Blättern kaum zu erkennen. (Foto: Friedrich Böhringer cc-by-sa)
Achateule (Nachtfalter)
Gut getarnt: Die Zwitscherschrecke. (Foto: Hedwig Storch cc-by-sa)
Eine grüne Zwitscherschrecke auf einem Blatt

Schlecht getarnt?

(Foto: Dr. James P. McVey/wikipedia) Seestern
Seestern

Seht ihr diesen Seestern? Seht ihr, wie auffällig rot er ist? Man denkt, dass er leichte Beute für seine Fressfeinde ist, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Durch seine rote Farbe ist der Seestern in den Tiefen des Meeres nahezu unsichtbar. Denn das rote Licht wird vom Meer geschluckt und der Seestern erscheint somit grau und dunkel und man kann ihn so nur sehr schlecht sehen. Ausserhalb des Wasser ist er klar zu erkennen, aber dort lebt er auch zum Glück nicht.