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Lexikon

Wildnis in Deutschland


(Foto: Jürgen Schiersmann / BUND)
Zwei junge Luchse

Wildnis: Das klingt geheimnisvoll - nach wilden Tieren, Urwald und Abenteuer. Und so etwas soll es auch in Deutschland geben? Immerhin - bei uns leben ungefähr 7000 Wildkatzen, mehr als 30 Wolfsrudel und einige Dutzend Luchse. Aber ist das schon Wildnis?

Was genau ist eigentlich Wildnis?

Ganz schön wild: Der Berg "Kleines Palfelhorn" in den bayerischen Alpen.(Foto: Kogo cc-by-sa)
Das Kleine Palfelhorn in den Berchtesgadener Alpen
Uralte und umgestürzte Bäume gehören in einer Wald-Wildnis dazu. (Foto: Michael Fiegle cc-by-sa 3.0)
Alte und umgestürzte Bäume

Eigentlich ist Wildnis eine Landschaft, die noch nie von Menschen verändert wurde. Solche Landschaften gibt es in Deutschland kaum noch, denn im Laufe von Jahrhunderten wurde fast jedes Fleckchen Erde irgendwann einmal von Menschen bewirtschaftet.

Weil es in Deutschland kaum noch unberührte Landschaften gibt, heißt das aber nicht, dass es hier auch keine Wildnis geben kann. Als "Wildnis" bezeichnen Wissenschaftler ein großes Gebiet, in dem es keine Siedlungen oder Straßen gibt und das auch nicht (mehr) von Menschen beeinflusst wird. Wenn man das Wort auf diese Weise erklärt, dann gibt es in Deutschland sogar ein bisschen Wildnis. Und es kann mehr werden: Landschaften können wieder zur Wildnis werden - man muss sie nur sich selbst überlassen.

Das zahme Deutschland soll wieder wilder werden

Im Naturwald. (Foto: Thomas Stephan / BUND)
Zwei Kinder auf totem Baumstamm
Wildkatzen brauchen viel ungestörten Platz - für sie sind Wildnisgebiete idealer Lebensraum. (Foto: Thomas Stephan / BUND)
Gähnende Wildkatze

Denn auch bei uns gibt es seltene Tiere und Pflanzen, die in ungestörten Gebieten leben wollen. Und außerdem wäre es auch für uns spannend zu erleben, was in einer Wildnis eigentlich passiert - wie sich Pflanzen und Tiere entwickeln, wenn man sie einfach sich selbst überlässt: Wenn niemand mehr Bäume pflanzt oder fällt, keiner mehr die Wiesen mäht, Moore und Sümpfe nicht mehr trockengelegt werden und Flüsse ihre Ufer überschwemmen dürfen.

Deshalb hat die Bundesregierung beschlossen, dass bis zum Jahr 2020 ein kleiner Teil von Deutschland wieder zu Wildnis werden soll - insgesamt zwei Prozent der Landesfläche. Das ist gar nicht so wenig wie es klingt: Eine Woche lang müsstest du jeden Tag laufen, wenn du zwei Prozent von Deutschland einmal durchwandern wolltest.

Wie wird eine Landschaft zur Wildnis?

Wilde Landschaft im Nationalpark an der deutschen Ostseeküste. Foto: NatureMoments cc-by-sa 3.0)
Kiefern am Ostsee-Strand
Ganz schön wild: Sumpfiger Wald im Nationalpark. (Foto: NoRud cc-by-sa 3.0)
Sumpf
Früher wurde hier Braunkohle abgebaut - heute gibt es hier Wölfe. Ein Teil der ehemaligen Tagebaue in der Lausitz in dem Bundesland Sachsen soll wieder Wildnis werden. (Foto: Kontaktbüro Wolfsregion LUPUS)
Seenlandschaft im ehemaligen Braunkohletagebau

Eine Landschaft wieder zur Wildnis werden zu lassen, ist nicht schwierig. Wenn man die Natur sich selbst überlässt, wird sie im Laufe der Jahre immer wilder. Viel schwieriger ist es, in Deutschland geeignete Landschaften zu finden. Damit sich die Natur entfalten kann und die Tiere genug Platz haben, muss das Wildnisgebiet sehr groß sein. Häuser oder Straßen darf es dort nicht geben und auch keine bewirtschafteten Felder oder einen Wald, in dem Holz geschlagen wird.

Wissenschaftler im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz haben sich also auf die Suche gemacht - und siehe da: Sie haben viele geeignete Flächen gefunden, von denen ein Teil nach und nach zu Wildnis werden soll. Dazu gehören Bereiche, die schon jetzt Naturschutzgebiet oder Teil eines Nationlaparks sind. Aber dazu gehören auch Landschaften, die bis vor kurzem noch intensiv genutzt wurden - zum Beispiel ehemalige Bergbau-Gebiete oder Truppenübungsplätze, die nicht mehr gebraucht werden. Ein Teil von ihnen soll jetzt sich selbst überlassen werden. Deutschland wird wilder!

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